Vergangenen Dienstag waren wir zu Gast bei der Gründergarage der Friedrich-Naumann-Stiftung in der Stadtbibliothek Flensburg. Der Autor Wolfgang Gründiger stellte sein Buch „Alte Säcke Politik“ vor, das sich unter anderem mit der Frage beschäftigt warum es für die junge Generation so essentiell ist, zu erkennen, dass die politische Zukunft von der älteren Generation gemacht wird. Seine Kritik: „Die Politik verwaltet die Gegenwart, anstatt die Zukunft zu gestalten.“

Im Anschluss an die halbstündige Lesung Gründingers folgte eine Podiumsdiskussion mit den Gästen Jennifer Miksch (Stipendiatin der Friedrich-Naumann-Stiftung und Freelancerin in der StartUp Branche), Dennys Bornhöft (Spitzenkandidat der Jungen Liberalen Schleswig-Holstein) und dem Autor Wolfgang Gründinger.

Die sehr politisch geführte Diskussion beschäftigte sich zu Beginn mit Deutschland im Vergleich zu den USA und anderen StartUp-Hotspots. Die Fragerunde wurde eröffnet mit einem Zitat von Wolfgang Kubicki:

Wenn Steve Jobs in eine Sparkasse gekommen wäre hätte er keinen Kredit bekommen.“

Die Runde war sich einig, dass Deutschland das Risikokapital fehle, das in StartUps investiert werden sollte. Silicon Valley und Tel Aviv seien beispielsweise weit vor Deutschland, was die StartUp Förderung anginge. In dem Report „Ease of Doing Business“, der angibt wie viel Bürokratie hinter einer Gründung steckt, landet Deutschland sogar nur auf Platz 113.

Jennifer Miksch schlug vor die Schweiz als Vorbild zu nehmen. Die hätten mit dem Schweizer Zukunftsfonds ein Konzept geschaffen, das die kollektiven Schweizer Ersparnisse in Risikokapital für die Wirtschaft umwandelt.

Die Diskussion ging dann über in den Bereich Bildung. Hier war sich die Diskussionsrunde wieder einig, dass den Schulen die Lehrer fehlen würden, die IT-Kompetenzen vermitteln könnten. Als Beispiele wurden hier Programmieren anstelle einer Fremdsprache und Informatik als Pflichtfach diskutiert. Leider würden die Lehrer jedoch in ihrer Ausbildung selbst keine Schulungen in IT Themengebieten erhalten, was die Vermittlung der Inhalte zu den Kindern schwierig mache. Da eine Lehrplanänderung meist auch mehrere Jahre in Anspruch nimmt und die Digitalisierung schneller voran tritt, schlug Jennifer Miksch vor Schüler durch freiwillige Arbeitsgemeinschaften an Schulen mit der Thematik vertrauter zu machen.

Es sei auch erschreckend wie die Digitalisierung an der älteren Bevölkerung vorbeiginge. Laut Gründinger sind beispielsweise 2/3 aller CDU-Mitglieder nicht per Email zu erreichen. Das vorwiegend ältere Publikum stimmte den Ansätzen der Diskussionsrunde größtenteils zu, befürchtete aber, dass sie vergessen werden könnten im Zuge der Digitalisierung.

Als letzten Themenblock ging es noch um die Landtagswahl im kommenden Monat und die junge Generation. Dieses Jahr können in Schleswig Holstein zum ersten Mal Jugendliche ab 16 Jahren bei der Landtagswahl wählen. Es wurde schnell klar, dass die viel angesprochene Politikverdrossenheit dieser Generation eigentlich nicht existieren würde. Das Problem sei vielmehr, laut Denny Bornhöft, dass junge Leute es in der Politik schwer hätten und auch keinen Garanten für junge Politik darstellen würden. Wolfgang Gründiger sagte hierzu passend:

„Demographie prägt Demokratie“.

Die Diskussionsrunde machte deutlich, dass das Thema der Digitalisierung nach wie vor wichtig ist und in allen Lebensbereichen Einfluss nimmt.

Vielen Dank an Gyde Jensen für die Moderation der Gesprächrunde.

 

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