Vergangenen Mittwoch gab Katja Thiede, die Gründerin von juggleHUB Coworking Berlin, Initiatorin der New-Work-Families und New-Work Enthusiastin, spannende Einblicke in die New-Work-Bewegung. Die Veranstaltung fand im Audimax der Universität Flensburg statt und war mit ca. 60 Besuchern ein voller Erfolg. 

Hintergrund

Seit Jahren formt sich die New-Work-Bewegung, die Arbeit neu denkt und dabei wieder den Menschen in den Mittelpunkt rückt. Laut Katja Thiede und den Vertretern der NewWork Bewegung beruht die Arbeitswelt von heute auf den Prinzipien der Industrialisierung. Durch Taylor wurde diese Arbeitswelt hierarchischer und effizienter, da er Kopf- und Handarbeit trennte. In einem kleinen Exkurs stellte Katja dar, dass Organisationen heute noch wie vor 100 Jahren funktionieren, was vor allem an der Sprache (Einheiten, Schichten, Engpässe, etc.) erkennbar wird. Dieses System habe zur Befriedigung der Gesellschaft geführt und darum wären wir heute einem „Raubtierkapitalismus“ ausgeliefert. Dieser schließt ein, dass:

„Wachstum wird nur noch des Wachstums Willen geführt“

werde. Heutzutage würden wir für Unternehmen arbeiten, die Produkte produzieren, die man eigentlich nicht benötigt, um Geld zu verdienen von dem wir uns deren Produkte kaufen. Diesem Paradoxon nimmt sich die New-Work Bewegung an.

New Work

Ein Großteil der Ideen und Elemente der Bewegung stammt aus Frederic Lacroux Werk „Reinventing Organizations: Ein Leitfaden zur Gestaltung sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit“.

Die New-Work Bewegung beruht auf drei Pfeilern:

1. Selbstführung

In diesem Teil geht es darum, dass Hierarchien komplett abgeschafft werden sollten. Dies kann für Menschen, die aus normalen hierarchischen Unternehmen kommen, am Anfang schwierig sein. Wie Selbstführung funktioniert, veranschaulichte Katja an einem Beispiel aus den Niederlanden. Dort hat Jos de Blok mit einigen Krankenpflegerinnen eine neue Form des Pflegediensts etabliert, das komplett auf Selbstführung beruht. Mittlerweile sind mehr als 9000 Mitarbeiter in Teams von maximal 12 Pflegern beschäftigt, die sich komplett selbst verwalten. Es herrschen also keine Hierarchien mehr und Jos de Blok gilt als Pionier der New Work Bewegung.

Ein zweites Beispiel kommt aus Frankreich. Dort hat Jean Francais Zabrist bei FAVI, einem Automobilzulieferer, die zentrale Steuerung abgeschaffen. Auch hier arbeiten die Teams eigenständig und werden nicht kontrolliert. Durch den Erfolg von FAVI haben sich auch 250 andere französische Unternehmen dazu entschieden das Prinzip der Selbstführung anzuwenden. Diese Unternehmen werden in der New Work Bewegung „befreite Unternehmen“ genannt

2. Ganzheit am Arbeitsplatz

Dieser Pfeiler geht weg von der Arbeitsgestaltung hin zum Menschen. Anders als bei Work-Life-Balance Initiativen geht die New Work Bewegung davon aus, dass der Mensch nicht in einen Arbeits- und einen Freizeitmenschen aufgeteilt werden kann. Um zur Arbeit zu gehen, ziehe man eine „Business-Maske“ an, die sich auch im Dresscode widerspiegele. Dies führe zu einer Verstellung des Menschen am Arbeitsplatz. Deshalb will die New Work Bewegung diese „Verrenkungen“ beenden und der Mitarbeiter soll so zur Arbeit erscheinen können wie er ist.

3. Evolutionäre Sinn

Große Unternehmen versuchten die Zukunft zu erzwingen. Dies wird auch wieder in der Sprache deutlich (Leistungskennzahlen, Budgetplanung, etc.). Dadurch stehe alles in Konkurrenz zueinander. New Work Unternehmen kontrollieren ihre Mitarbeiter nicht, sondern lassen sie an der eigenen Entwicklung und an der Entwicklung des Unternehmens teilhaben. Es geht darum zu spüren, was im Umfeld passiert, um darauf flexibel eingehen zu können.

Auf diesen drei Pfeilern beruht das Prinzip der Arbeitsgestaltung bei New Work.

Am Ende des Vortrags ging Katja noch auf ihr Unternehmen juggleHUB ein, das sie zusammen mit Silvia im Jahr 2016 gründete. Sie bieten in Berlin einen Coworking-Space mit Kinderbetreuung an. Darüber hinaus veranstalten sie viele Events.

Seit April 2017 kam auch das New Work Families Netzwerk dazu. Die Mitglieder setzen sich für eine Verwirklichung im Beruf ein und möchten dabei gleichzeitig Zeit für ihre Kinder haben. „In immer mehr agilen Unternehmen gehören Kinder einfach dazu. Lasst uns dazu austauschen! Wer sind die New Work Families? Wie wollen sie arbeiten? Welche Prinzipien leben sie? Was kann man von ihren Lösungen und Erfahrungen lernen? Lasst uns ein Bild davon machen, wie eine neue Arbeitswelt aussieht, die attraktiv für New Work Families ist!“ In diesem Netzwerk geht es auch darum, dass eine gesamtgesellschaftliche Diskussion entsteht.

Der Vortrag endete mit dem Lied „Where’s the Revolution“ von Depeche Mode.

Vielen Dank an Katja und den Organisatoren für den sehr inspirierenden Vortrag und die spannenden Einblicke in die New Work Bewegung!

 

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