Teil II:

Nur wer tolerant ist gründet eine GbR

Bevor wir mit unserem Unternehmen durchstarten können, müssen wir noch die bereits angesprochene Gewerbeanmeldung hinter uns bringen. Spätestens hier fragt die Dame vom Amt, welche Rechtsform man denn gerne hätte. Und tatsächlich hilft das Amt nicht bei der Auswahl, denn diese Frage sollte man bereits vorher klar beantwortet haben. Webseiten zum Thema Rechtsform gibt es viele, daher seien an dieser Stelle nur einige Überlegungen und Hinweise erwähnt:

  • Wer ohne Geschäftspartner und ohne großes Gründungskapital starten möchte, der gründet in der Regel eine „Einzelunternehmung“. Hier haftet man vollumfänglich, also auch mit dem Privatvermögen, allerdings liegen die Gründungskosten bei nur ca. 25,00 Euro.
  • Wer die Haftung beschränken möchte, sollte über die „GmbH“ oder die „Unternehmergesellschaft“ nachdenken (kurz: UG). Die GmbH startet mit mindestens 25.000 Euro, während eine UG schon für 1 Euro zu haben ist. Die UG hat nicht das beste Image, solltet Ihr jedoch nicht zwangsläufig von Lieferanten oder einer Bank in der Gründungsphase abhängig sein, könnte sie eine echte Alternative zur GmbH darstellen.
  • Wer mit einem Geschäftspartner startet, aber keine GmbH oder UG gründen möchte oder kann, der wählt in der Regel die GbR, die „Gesellschaft bürgerlichen Rechts“. Hier gilt es zu beachten, dass beide Partner ein hohes Maß an Toleranz aufbringen müssen, da beide für die Ergebnisse des Unternehmens und für Fehler des anderen sowohl unternehmerisch als auch privat haften. Bedenkt bitte auch, dass sich die Lebensphasen oder Lebensentwürfe Eures (Geschäfts-)Partners rel. schnell verändern können, und ein vormals gemeinsamer Weg auf einmal nicht mehr zueinander passt. Die GbR ist daher so etwas wie die Ehe in Unternehmensform, nur ohne gemeinsames Schlafzimmer (naja meistens).

Es gibt viele weitere Rechtsformen, die für den einen oder anderen in Betracht kommen könnten. Die große Mehrheit aller Gründer (gut 90%) in Deutschland wählt jedoch eine der vier oben genannten Rechtsformen.

Bevor jetzt der Schritt in die Selbstständigkeit angegangen werden kann, solltet Ihr noch bei einigen Behörden oder Institutionen vorbeischauen. Je nach Gründungsbereich müsst Ihr Euch in jedem Fall bei der zuständigen Kammer melden (z. B. Handwerkskammer für alle Gründungen im Handwerk). Die Kammern verfügen über umfangreiches Infomaterial, um z. B. rechtliche Voraussetzungen prüfen zu können. Bei der Industrie- und Handelskammer kann man unter anderem kostenfrei prüfen lassen, ob es einen Firmennamen im Umkreis bereits gibt – dies erspart viel Ärger, falls später ein möglicher Wettbewerber Anspruch auf den gewählten Unternehmensnamen erhebt.

Auch das Thema Krankenversicherung ist nicht zu vernachlässigen. Wer Selbstständig ist kann entweder freiwillig gesetzlich versichert bleiben (einfach bei der bestehenden Versicherung anrufen und beantragen), ihr könnt aber auch in die private Krankenversicherung wechseln.

Ich möchte an dieser Stelle die Beratung der Versicherungsbranche nicht ersetzen, jedoch kann man folgende Aussage verkürzt zusammenfassen: In der gesetzlichen Krankenversicherung ist es egal, wie krank oder gesund Ihr seid, der Beitrag ist abhängig von Eurem unternehmerischen Einkommen. Der privaten Versicherung ist es wiederum vollkommen egal, wie viel Ihr verdient, dort interessiert man sich nur für Euren Gesundheitszustand.

Das Thema Krankenversicherung und Vorsorge ist ein sehr weites Feld. Ich kann hier nur raten, stets mehr als eine Meinung einzuholen. Für wen welche Form der Krankenversicherung die Beste ist, kann man nicht sagen, das ist von vielen persönlichen Faktoren abhängig (z. B. Alter, Familienstand, Anzahl der Kinder, Vorerkrankungen, etc.).

Hier noch zwei Links zu den heutigen Themen:

Überblick über Rechtsformen:

http://www.existenzgruender.de/DE/Weg-in-die-Selbstaendigkeit/Rechtsformen/Auf-einen-Blick/inhalt.html;jsessionid=AA720430926A7EBA3360773D77F05D5A

Private und gesetzliche Krankenversicherung:

http://www.sueddeutsche.de/thema/Krankenversicherung

 

Im dritten Teil des Bereiches vor Gründung schauen wir uns an, was alles in einen guten Businessplan gehört und warum eine Kreditanfrage bei fünf unterschiedlichen Banken nachteilig sein kann.


Patric Stöbe

öffentlich bestellter und vereidigter
Sachverständiger für die Bewertung von
Anlagegütern und Geschäftsausstattungen

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