Teil III:

Der Businessplan als Grundlage für alle entscheidenden Gespräche

Eigentlich könnte es jetzt losgehen. Wir haben ein tolles Produkt, die Familie zieht mit und der gefundene Standort gehört zur „1a“ Lage. Leider fehlt es noch am nötigen Kleingeld und die Hausbank hat schon signalisiert, dass sie die 50.000 Euro nicht aufgrund Deiner blauen Augen herausrücken werden.

Auch ein zukünftiger Geschäftspartner, ggf. größere Lieferanten oder z. B. die Agentur für Arbeit möchten gerne einen Businessplan (Geschäftsplan) sehen.

Wichtig ist zu wissen, dass ein Geschäftsplan aus einem Text- und einem Zahlenteil besteht. Ich rate davon ab, vorgefertigte Businesspläne aus dem Netz zu ziehen, um diese dann mit eigenen Stammdaten zu füllen. Viele Banker können die dort formulierten Sätze bereits auswendig im Schlaf rezitieren und sind nach wenigen Zeilen bereits negativ geprägt, was Eure Kreditanfrage angeht.

Der Businessplan muss vielmehr den Außenstehenden mitnehmen und im Idealfall begeistern, so dass eine Ablehnung praktisch unmöglich wird. Die Überschriften und das Schema eines solchen Planes kann man ruhig dem Internet entnehmen. Bitte lasst aber in jedem Fall eine dritte Person über den fertigen Plan schauen, die wirklich kritisch prüft und auch unangenehme Fragen stellt. Auch die Industrie- und Handelskammer oder die Handwerkskammer kann Euren Businessplan auf Wunsch prüfen.

Der Businessplan ist viel mehr als nur eine Anreihung von Zahlen der Zukunft. Er bildet die Basis Eurer ersten 3 Geschäftsjahre, an denen Ihr Euch orientieren solltet und messen lassen müsst. Dabei kommt es nicht darauf an, möglichst hohe Umsätze in den Plan zu prügeln, sondern vielmehr das Produkt und dessen Marktchancen in einen realistischen Kontext zu setzen. Ein Externer will aus dem Plan herauslesen, dass Ihr Euch entsprechende Gedanken gemacht habt und nicht euphorisiert die rosa Brille für Euer Produkt beschreibt.

Ein Beispiel:

Nehmen wir an Ihr wollt einen gastronomischen Betrieb eröffnen, der lt. beigefügter Skizze 40 Sitzplätze bietet und nach seiner Lage zu urteilen max. in der Sommersaison gut zu tun haben wird. Was wird ein Prüfer wohl denken, wenn Ihr bei den Umsätzen pro Tag 2.000,00 Euro ansetzt und diesen Wert über das ganze Jahr verteilt? Genau, er fragt sich, warum er die Banklehre begonnen hat und nicht direkt Döner in der Innenstadt angeboten hat 🙂 …. Spaß beiseite – der Businessplan erhält den Stempel abgelehnt, nicht marktkonform.

Die Berechnung im Beispiel enthält mehrere Fehler. Wenn man überlegt, für wie viel Geld ein Kunde wohl im Schnitt bei Euch verzehren wird, dann könnte man je nach Angebot auf z. B. 10,00 Euro (Netto) kommen. Bei 40 Sitzplätzen kannst Du also max. 400,00 Euro umsetzen, wenn alle Plätze (und wann passiert das schon mal) voll belegt sind. Das ganze müsste dann pro Tag 5 Mal geschehen (jeden Tag, 12 Monate lang), damit wir von 2.000,00 Euro Umsatz pro Tag ausgehen könnten. Wenn es draußen regnet wird das mit den Kunden schon mal nichts. Ein Saisonbetrieb funktioniert zudem max. 6 Monate im Jahr.

Ihr seht, wenn man mit den richtigen Fragen versucht, realistische Zahlen zu erarbeiten, dann wird aus den vorher „lockeren“ Prognosezahlen auf einmal ein realistisches Ziel, das auch zu erreichen ist.

Übrigens: Wenn Ihr eine Ablehnung Eurer Hausbank für euren Kredit erhalten habt, dürft Ihr es gerne bei einer anderen Bank probieren. Ihr solltet jedoch im Hinterkopf haben, dass jede Anfrage bei der Bank auch mit einer Anfrage z. B. bei der SCHUFA verbunden ist. Dies wird also protokolliert. Alleine die Anzahl der Anfragen könnte daher zu einer Ablehnung des Kreditantrages führen, da nachvollziehbar ist, wie viele Anfragen schon gestellt wurden.

Mein Tipp, wenn der Geschäftsplan abgelehnt wurde, kann dieser nach Überarbeitung ggf. sogar bei der gleichen Bank erneut eingereicht werden. Manchmal ist es dies sinnvoller, als sich bei 3 Banken eine „blutige Nase“ zu holen.

So viel zum Bereich „Vor“ Gründung. Auf unserer Internetseite findet Ihr eine ToDo Liste vor Gründung, die Ihr als Checkliste gerne verwenden dürft.

Wer freiberuflich gründen möchte, darf sich auf den kommenden Beitrag freuen, denn diesen widmen wir nur dieser speziellen Gründergruppe.


Patric Stöbe

öffentlich bestellter und vereidigter
Sachverständiger für die Bewertung von
Anlagegütern und Geschäftsausstattungen

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