Teil IV:

Die Existenzgründung als Freiberufler – oder: nicht jeder der will, darf auch

 

Klären wir gleich das Wichtigste. Ein „Freiberufler“, der aus dem Englischen als „freelancer“ übersetzt wird, hat eine etwas andere Bedeutung, als es die eigentliche Übersetzung vermuten lässt. Ein „freelancer“ ist nämlich ein freier Mitarbeiter eines Unternehmens, der selbstständig tätig und somit nicht in einem Unternehmen angestellt ist.

Ob dieser „freelancer“ auch Freiberufler ist, hängt stark von seiner genauen Tätigkeit und seiner Ausbildung ab. So ist ein Webdesigner, der kein Studium nachweisen kann, nicht zwingend Freiberufler. Schaut am besten mal im Netz unter den Stichworten „Katalogberufe“ und „Freiberufler“ nach, dann findet ihr aufgelistet die Berufsgruppen, die in jedem Fall zu den Freiberuflern zählen.

Ein Beispiel: Ein Maurer, der selbstständig für eine andere Baufirma Leistungen erbringt, ist kein Freiberufler, sondern sogenannter „Subunternehmer“.

Aber warum ist es eigentlich so lukrativ, freiberuflich tätig zu sein?

Zunächst einmal sind dies ganz einfach monetäre Gründe. Ein Freiberufler unterliegt nicht der Gewerbesteuer, da er oder sie auch keine Gewerbeanmeldung vorgenommen hat. Der Freiberufler entscheidet einfach per steuerlicher Anmeldung, dass er „jetzt“ selbstständig startet. Zusätzlich kann, je nach Tätigkeitsfeld, der Freiberufler seine Leistungen gegenüber seinen Kunden auch ohne Umsatzsteuer in Rechnung stellen, damit wird dann die lästige Buchhaltung um einiges einfacher zu erledigen sein und das Finanzamt steht einem nicht so oft auf den Füßen.

Solltet Ihr unsicher sein, ob Ihr zum Kreis der Freiberufler gehört, dann fragt doch einfach bei der Handwerkskammer, der IHK oder dem Finanzamt direkt nach. Oftmals haben die gleiche oder ähnliche Personen schon beraten, so dass man Euch konkret weiterhelfen kann.

Es gibt noch weitere Unterschiede. Der Gewerbetreibende sollte seine Rechnungen z. B. nicht unterzeichnen, während einige Berufsgruppen der Freiberufler dies sogar zwingend müssen. So bestätigen u. a. Steuerberater und Rechtsanwälte die Leistungen auf der Rechnung mit ihrer persönlichen Unterschrift.

In unserem kommenden Gastbeitrag möchten wir Euch über das Thema Scheinselbständigkeit informieren. Außerdem klären wir, warum das Wort „Liebhaberei“ zwar gut klingt, von Seiten des Finanzamtes jedoch alles andere als nett gemeint ist.


Patric Stöbe

öffentlich bestellter und vereidigter
Sachverständiger für die Bewertung von
Anlagegütern und Geschäftsausstattungen

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