Scheitern… wer spricht schon gerne freiwillig offen und unverblümt über seine unternehmerischen oder persönlichen Fails?! Solche Erfahrungen bekommt man wohl eher selten zu hören… Es sei denn, man geht zur fckup N8, wie letzten Donnerstag in der Kulturwerkstatt Kühlhaus e.V. – veranstaltet von der IHK Schleswig-Holstein. Hier ließen uns drei Unternehmer an ihren Business-Misserfolgen und ihren daraus gewonnenen Erkenntnissen auf eine herrlich offene, spannende und amüsante Art teilhaben.

Ausverkauft”, hieß es!

 

Und nun Bühne frei für die Unternehmer Alexander, Peter und Marc!

 

Alexander aus Fahrdorf machte den Anfang… eine ungewohnte Situation für ihn, über sein Scheitern vor einem breiten Publikum zu reden – doch hier sprach er frei von der Leber weg.

Alexander nahm uns erst einmal auf eine Zeitreise ins Jahr 2003 mit, denn bereits hier hatte er die erste Hürde zu meistern – er stand kurz vor seinem Diplom als Bauingenieur, als ein großes Bauunternehmen Konkurs ging. Zu diesem Zweitpunkt kamen ihm bereits Zweifel, ob er überhaupt als Frischling ohne große Berufserfahrung einen Job in diesem Bereich bekommt und hatte hier gravierende Existenz- und Zukunftsängste, zumal er bald eine kleine Familie ernähren musste.

Soll ich überhaupt mein Diplom noch machen? Macht das alles überhaupt noch Sinn, Bauingenieur zu werden, wenn ich doch gar nicht arbeiten kann? Oder soll ich jetzt mir irgendeinen Job suchen, den ich finden kann, um jetzt schon Geld zu verdienen und dadurch vielleicht ein paar 100 Euro Vorsprung zu haben, bis ich einen Abschluss habe?

Wer oder was half ihm in dieser schwierigen Zeit? Seine Partnerin, seine Familie und seine Freunde!

Entgegen seiner Zweifel fand er doch einen guten Job. Ein Bekannter war auf der Suche nach einem Filialleiter in der Sporthandelsbranche in Frankfurt und dies passte prima zu Alexander‘s Profil – jobbte er doch während seines Studiums bereits im Einzelhandel. Sein beruflicher Weg führte ihn letztlich nach Schleswig, wo er im selben Unternehmen Geschäftsführer wurde. Mit der Zeit kam der Wunsch auf, sich selbstständig zu machen, und so begab er sich in die Selbstständigkeit als Logistikdienstleister für Versandhändler, die Grenzhandels-Produkte (zum Beispiel Süßigkeiten und Alkohol), nach Schweden versenden. Alles lief gut… bis der schwedische Zoll ihm einen Strich durch die Rechnung machte! Im Großen und Ganzen störte dieser sich daran, dass zu viel Alkohol nach Schweden eingeführt wurde und daher erfolgte ab diesem Zeitpunkt keine sofortige Bearbeitung von Sendungen aus Deutschland, die Alkohol enthalten könnten.

Von heute auf morgen kam dieses Geld nicht mehr rein!

… seine Geschäftstätigkeit war damit nach sechs Monaten beendet. Es folgte eine sehr harte Zeit mit vielen Emotionen. Wieder kam ihm Herr Zufall“ etwas zu Hilfe! Ein Bekannter bat Alexander, unentgeltlich sein Unternehmen zu analysieren und ihm Optimierungen aufzuzeigen, und so entstand das Geschäftsmodell “Unternehmensberatung“, das seit knapp 3,5 Jahren erfolgreich läuft. Er ist heute ein selbstständiger Berater für Vertriebsstrategien und Unternehmensorganisation.

Die Botschaft, die er weitergeben möchte:

Es hat zwar manchmal auch mit Glück zu tun, aber es hat auf jeden Fall auch mit dem Willen zu tun, weiter zu machen, den Kopf nicht hängen zu lassen, wenn man bis zum Hals in der Scheiße steht. Den Kopf hängen zu lassen ist das Dümmste, was man machen kann. Es geht auf irgendeine Art und Weise immer weiter.

Alexander beendete seine Fuckup-Geschichte mit dem Gedanken, dass wir alle mehr über Scheitern sprechen sollten und dass sich für ihn persönlich ein Scheitern wirklich nur auf die Existenz eines Unternehmens und/oder auf die Lebensexistenz einer Person auswirkt.

 

Der zweite Sprecher war Peter aus Husum, der heute Unternehmen, Kommunen und Energieversorger im Bereich Planung und Errichtung sowie der Finanzierung von Energieprojekten berät.

Was ist bei ihm schief gelaufen?

Im Jahr 2007 startete er mit einem Freund aus dem Studium und einer Truppe von interessanten Personen (1 Unternehmensberater, 1 Steuerprüfer und 1 Mathematiker) im Bereich Tiefengeothermie. Ihre Idee ging in die Richtung, dem Klimawandel ein wenig Einhalt zu gebieten.

Wir hatten eigentlich das Gefühl, dass wir ein ganz tolles Team zusammen haben.

Sie gründeten unmittelbar eine GmbH und bekamen auch relativ zügig einen Auftrag über 100.000 Euro, aber Umsatz ist ja nicht gleich Gewinn! Beflügelt durch den ersten Auftrag wurde geplant und geplant – aus der heutigen Sicht falsch geplant – Investoren gesucht, was sich als sehr schwierig erwies, und ein Businessplan erstellt, welcher ohne interne Abstimmung immer wieder verändert wurde. Dadurch kam es letztendlich zum großen Knall – mit harten Kämpfen vor Gericht.

Der eigentliche Casus knacksus ist das Menschliche, das allzu Menschliche, das heißt, also, wenn tatsächlich man sich dann in diesem Team auch uneins wird. Und dann ist die Zielrichtung nämlich nicht mehr gemeinsam voran und hurra, sondern es geht eher darum, wie kann ich dem anderen einen möglichst großen Schaden zufügen.

Dies führte dann zu einer Insolvenz. Auch er zog einige Lehren aus diesem Scheitern:

  • “Denke erst und handle dann + handelnd denke stets daran”
  • Glück “erzwingen” – Chancen suchen
  • Wiederaufstehen, nachdenken und neu probieren!

 

Der dritte und letzte Unternehmer war Marc aus Flensburg.

Marc wollte schon immer Fußballer werden… und war es auch eine Zeit lang. Doch sein Traum, Profi-Fußballer zu werden, platzte nach zahlreichen Verletzungen. Während dieser Zeit suchte er nach einer Philosophie, nach der er leben kann und stieß auf die für ihn passenden Worte never quit“, die bei ihm sowohl auf der Haut verewigt als auch tief in seinem Herzen verankert sind. Nach der gescheiterten Fußball-Karriere machte er bei der Hamburger Sparkasse eine Ausbildung zum Bankkaufmann, und letztlich wurde er Unternehmer. Marc ist

losgezogen in die große weite Welt, mit einem Rucksack voller Euphorie, voller Träume und natürlich auch mit viel Angst.

Angst deshalb, weil er in einem behüteten Umfeld aufwuchs.

Er gründete ein Fitnessstudio mit Partnern, die ihm letzten Endes aber zum Verhängnis wurden. Es ging sogar so weit, dass er im Rahmen einer Gesellschafterversammlung als Gesellschafter ausgeschlossen werden sollte. Sein Anwalt riet ihm, seine Anteile zu verkaufen, eine Klage wäre zu teuer gewesen.

So sind seine Erkenntnisse aus dieser Niederlage:

  • Achtsam seine Partner auswählen
  • Bei der Gründung eines Unternehmens eine Wertepyramide erstellen, damit die Partner wissen, mit wem sie es zu tun haben.

Getreu seiner Lebensphilosophie never quit“ (welches auch der Name seines heutigen Modelabels ist) steht für Marc bereits das nächste Projekt an – wir dürfen gespannt sein!

 

Die großartige Poetry Slammerin Jacqueline aus Kiel läutete nicht nur den Abend ein, sondern rundete ihn mit ihrem poetischen Text Der Tag, an dem ich anfing Luftschlösser zu bauen“ wunderbar ab.

 

 

In diesem Sinne:
Hinfallen, wieder aufstehen, Krone richten, weitermachen oder erneut beginnen!

 

Einen herzlichen Dank an:

» Alexander, Peter und Marc für die offenen Worte

» Jacqueline für die poetische Untermalung

» Sedef Atasoy von der IHK Flensburg für die charmante Begleitung durch den Abend

» die IHK Schleswig-Holstein für diesen abwechslungsreichen Abend!

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