– Ein Gastbeitrag von Patric Stöbe: Teil VII

 

Gerne möchte ich in meinem aktuellen Gastbeitrag auf 5 kritische Fehler hinweisen, die Ihr im Rahmen Eurer Gründung vermeiden solltet:

1.  Voreilig eine Gewerbeanmeldung vollziehen

Dieser Fehler kostet Euch gerne mal 5.000 – 10.000 Euro. Wer eine Gewerbeanmeldung vornimmt, bringt damit ein behördliches Rad in Schwung, welches viele Dinge einschließt und andere Dinge leider ausschließt. So ist es kaum noch möglich, staatliche Fördergelder in Anspruch zu nehmen, da oftmals zunächst ein Antrag gestellt werden muss. Ein Gründungszuschuss ist damit nahezu ausgeschlossen.

Außerdem solltet Ihr vorher klären, ob Ihr freiberuflich oder gewerblich tätig seid. Hierzu empfehle ich einen Blick in einen unserer vorherigen Gastbeiträge, in dem wir uns ausführlich mit dem Thema Freiberuflichkeit auseinandergesetzt haben.

 

2.  Zu schnelles Wachstum

Ähnlich einem Hausbau bedarf es auch bei Firmen eines breiten und soliden Fundamentes. Leider streben viele Gründer heute immer noch nach dem „schnellen Geld“ und vergessen dabei Strukturen und natürliches Wachstum mit entsprechenden Konsolidierungsphasen. Lasst Euch Zeit – ein schnelles Wachstum birgt erhebliche Gefahren (z. B. falsche Personalpolitik, falsche Standortwahl, spontane Vertragsabschlüsse, mangelnder Überblick über Einnahmen und Ausgaben, falsche Steuerbeurteilung, etc.).

 

3.  Gründung ohne familiären Rückhalt

Ein ganz wichtiger Punkt, der leider oft zu klein geredet wird. Wer sich auf den Weg der Selbstständigkeit begibt und dabei zum Beispiel seine Familie vergisst, der wird ganz schnell an zwei Fronten zu kämpfen haben – klingt militärisch… ist auch so gemeint. Ich kenne keinen Unternehmer, der sich langfristig mit seinem Vorhaben gegen seine Familie durchsetzen konnte. Warum das so ist, liegt in der Natur des Menschen begründet: Wenn Ihr eine Reise beginnt und Eure bessere Hälfte das Gefühl hat, zurückgelassen zu werden, wird Sie alles versuchen, entweder Eure Reise zu beenden oder aber eine eigene Reise zu beginnen, meist mit einem ganz anderen Ziel.

 

4.  Gründen ohne Marktkenntnis

Klingt logisch, wird trotzdem häufig falsch beurteilt. Woher nimmt sich ein Gründer das Wissen über seinen Markt, seinen Wettbewerb und sein Produkt? Oftmals sind es Gespräche mit Freunden und Verwandten, mit Arbeitskollegen oder durch Recherche im Internet. Dabei wird oft übersehen, dass auch das Internet nur die Ergebnisse zurückspiegelt, die man konkret angefragt hat und die oftmals ebenfalls wieder subjektiv sind. Häufig möchten die Kollegen auch nichts Negatives sagen und verhindern so eine offene Diskussion. Zu guter Letzt prägt sich Eure Wahrnehmung aus dem, was täglich um Euch herum geschieht. Ob diese Wahrnehmung dann dem Produktwunsch der Kunden entspricht oder die viel beschworene „Marktlücke“ darstellt, ist eine ganz andere Frage.

Ein guter Gründer kann eine Einzelmeinung von dem Bedürfnis der großen Gruppe unterscheiden. Es gibt für dieses Problem also keine voll umfängliche Lösung. Ich kann Euch daher nur raten, den Markt für Euer zukünftiges Produkt gut zu analysieren und von möglichst vielen Seiten zu betrachten.

 

5.  Der Olympionike aller Selbstständigen sein wollen

Über viele Jahrzehnte hinweg haben Gewerkschaften und Arbeitnehmer für einen 8 Stunden Arbeitstag mit entsprechenden Pausen, für einen freien Samstag und mindestens 20 Tage Urlaub im Jahr gekämpft. Das man als Gründer diese Privilegien über Bord wirft, wird wohl jeder halbwegs erfolgreiche Unternehmer blind unterschreiben. Problematisch wird es nur, wenn man jeden Bereich und alle Aspekte seines Unternehmens dauerhaft alleine „stemmen“ möchte. Achtet bitte darauf, dass auch Ihr Pausenzeiten und Urlaub benötigt, dass die Familie nicht zu kurz kommen darf und dass Ihr Geld und Arbeit vermehren könnt, aber niemals den Faktor Zeit.

 


Patric Stöbe ist öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für die Bewertung von Anlagegütern und Geschäftsausstattungen. Mehr Informationen findet ihr unter www.die-berater-sind.net.

 


 

Angesehen von 502