Die Finanzierung der eigenen Geschäftsidee – ein wichtiges Thema für Startups! Der erste ProLab-Workshop des Dock1 der VentureWerft am 19. Oktober widmete sich genau diesem Aspekt: „Finanzierung & Investments für dein Start-Up“.

Die ProLab-Workshop-Veranstaltungsserie richtet sich an Startups und GründerInnen, die bereits ihre Geschäftsideen gefestigt haben.

Björn Preuß, Unternehmer unter anderem im FinTech-Bereich und Dozent an der Copenhagen Business School, vermittelte die Grundideen der Kapitalbeschaffung und Finanzierungsoptionen unter Einbeziehung konkreter Praxisbeispiele.

Im Anschluss erarbeiteten die Teilnehmer ein passendes Finanzierungskonzept für ihre eigenen Geschäftsideen. In einem finalen Pitch gab es hierfür reichlich Feedback von Björn und den Workshop-Teilnehmern.

Fand ich sehr schön und für mich ist es auch immer wieder toll, nach Flensburg zurück zu kommen, weil ich hier auch selbst studiert habe. Ich finde es sehr cool, dass es sich hier immer weiterentwickelt, und dass es hier auch weiterhin Leute gibt, die gründen wollen. Ich glaube, es ist sehr wichtig, dass sich immer mehr junge Leute dafür interessieren, selbst etwas aufzubauen und nicht einfach nur in ein Angestelltenverhältnis zu gehen.

– so Björns Impressionen des gesamten Workshops.

 

Wir haben einige von Björns Ideen und Tipps in Sachen Finanzierung zusammengetragen:

Welche Finanzierungsmöglichkeiten werden angeboten?

  • Kreditfinanzierung, hauptsächlich durch Banken
  • Eigenkapitalfinanzierung durch Venture Capital-Firmen und, im kleineren Bereich, Business Angels
  • Industriefirmen, die Partnerschaften mit Startups eingehen
  • Government Funding, beispielsweise Förderungsgelder

 

Gibt es Finanzierungsformen, die sich für Startups eher eignen und welche, die weniger geeignet sind?

Befindet ihr euch mit einer Geschäftsidee am Anfang eures Startups und benötigt Geld für die Firmengründung, zum Beispiel für eine GmbH, kommen Förderungsprogramme infrage. Diese beziehen sich dann meistens auf die eigene Person, da in diesem Stadium noch keine Firma existiert. Eine weitere Möglichkeit ist, sich im Familien-, Freundes- oder Bekanntenkreis erst einmal Geld zu leihen.

Habt ihr einen Prototyp fertig und benötigt für euer Startup ein Gründungsgeld bis circa 100.000 Euro, dann kommen ebenfalls Förderungsgelder als Finanzierungsform in Betracht. Gerade für Technologie-Startups kann dies ein guter Weg sein. Zu diesem Zeitpunkt kann auch der Kontakt zu einem Business Angel interessant sein. Nach Björns Erfahrung investieren Business Angels Beträge in Höhe von maximal 250.000 bis 500.000 Euro, wobei es regionale Unterschiede gibt.

Ob die Bankfinanzierung eine Option ist, hängt dabei stark vom gewählten Geschäftsmodell ab, aber auch, ob ihr bereits Kunden und Gewinne vorweisen könnt. Wie schnell wird euer Business profitabel? Verfügt ihr über ein großes Anlagevermögen, zum Beispiel als Immobilien-Startup, oder bewegt ihr euch im risikoreichen Technologie-Umfeld? Die Möglichkeiten einer Kreditfinanzierung hängen von verschiedenen Faktoren ab.

Wird eine Finanzierung über 1 Mio. Euro gesucht, könnt ihr Venture Capital-Firmen als Finanzierungsquelle in Erwägung ziehen.

Zusammenfassend meinte Björn

Am Anfang würde ich auf jeden Fall sagen: Kontakte, Privatgelder, eigenes angespartes Geld und dann kleinere Förderungsprogramme, wie Stipendien usw.

Was sind die wichtigsten Punkte in einem Finanzplan?

Dies hängt davon ab, an welche Investoren ihr euch wendet:

Government Funding hat konkrete Vorgaben, die erfüllt werden müssen, und es werden zum Teil eigene Vorlagen zur Verfügung gestellt, in die die Zahlen einzutragen sind.

Tretet ihr an einen Business Angel oder zu einem späteren Zeitpunkt an eine Venture Capital-Firma heran, dann ist es üblich, ein Pitch Deck zu erstellen. Das Pitch Deck ist eine Präsentation, die eine Übersicht über den Markt, den Kunden, das Produkt, wichtige finanzielle Key Performance Indicators (KPIs) und eventuell noch über das Team gibt. Es ist wichtig, den Investoren darzulegen, was eure Kunden möchten, wie ihr eure Kunden ansprecht, was die Lösung eures Startups ist und warum genau eure Lösung besser ist als die von anderen. Den Fokus solltet ihr laut Björn vor allem aber auf die Bereiche Markt und Produkt legen – wo ist die Lücke im Markt, wer sind eure Konkurrenten, etc. Achtet auf einen roten Faden in euren Pitch Decks und beschränkt euch auf 20 Folien. Es gilt, präzise auf den Punkt zu bringen, worum es geht. Das Pitch Deck wird entweder vor den potenziellen Investoren persönlich präsentiert oder ihnen per E-Mail zugesendet.

Der nächste Schritt ist dann die Erstellung des Finanzmodells – meistens ein Excelsheet – mit dem Schwerpunkt auf die Gewinn- und Verlustrechnung, da die Investoren erfahren möchten, wie sich die Profitabilität entwickelt. Gerade bei Wachstumsunternehmen, die in den nächsten 2 bis 3 Jahren profitabel werden, ist für Investoren die Sichtbarkeit der Entwicklung des Cashflows bedeutsam. Einmal ohne und einmal mit Finanzierung – so wird für die Investoren die Finanzierungslücke ersichtlich. Der Fokus in diesem Modell sollte auf dem Kostenmodell und, ganz wichtig, auf dem Umsatzmodell liegen:  Wie soll der Umsatz generiert werden, wie sind die Margen? Die Investoren werden sich hierbei über die Rohmarge, die EBIT Marge und über die Cash-Position der nächsten 1 bis 2 Jahre (wann wird diese negativ und wie viel Investitionen sind notwendig, um eine positive Cash-Position zu erzielen) informieren.

 

Wie geht man auf Investoren zu? Gibt es typische Fehler, die man hierbei vermeiden kann?

Hier gibt Björn den Tipp, sich in die Position des Investors hineinzudenken:

Wenn man einem Investor etwas kommunizieren möchte, muss man sich in die Person hineinversetzen – wie denkt ein Investor, wie denkt meine Investorengruppe, die ich ansprechen möchte?

Venture Capital-Investoren könnt ihr spezifischer ansprechen, da sie Sektor-Teams haben, die sich speziell mit bestimmten Bereichen, wie Immobilien-Startups, Tech-Startups im E-Commerce und FinTech-Unternehmen, befassen. Business Angels hingegen betrachten lokal unterschiedliche Geschäftsmodelle. Insgesamt solltet ihr die Kommunikation auf die jeweiligen Investoren zuschneiden und nicht allen dasselbe zuschicken. Selbst den Excel-Plan solltet ihr laut Björn gegebenenfalls anpassen:

Der Venture Capital-Investor will wirklich die Rakete sehen, die Bank will das eher schön stabil sehen und Government Funding will vielleicht eher sehen, dass man viele Leute einstellt. Der Venture Capital-Investor will jedoch vielleicht eher, dass man nicht so viele Leute einstellt und versucht, möglichst viel zu automatisieren und Algorithmen sowie Online Tools zu verwenden.

Die Geschäftsidee solltet ihr den Investoren möglichst einfach kommunizieren. Gerade wenn es um technologische Produkte geht, ist zu berücksichtigen, dass Investoren nicht zwangsläufig jeden Begriff kennen. Björn meint, dass ein guter Indikator für die verständliche Kommunikation eurer Geschäftsidee ist:

Wenn man jemanden über sein Geschäft berichtet… versteht der andere innerhalb von 30 Sekunden, was das Geschäftsmodell ist? Dann ist es gut!

Zudem ist es wichtig, realistisch zu sein, denn der Großteil der Investoren weiß, wie die Wirklichkeit aussieht, d. h., marktkonforme Kosten angeben und keine Margen von beispielsweise 80%… denn diese sind definitiv nicht glaubhaft.

 

Hilfestellungen in Sachen Finanzierung

Wenn ihr Hilfe bei der Finanzplanung und Kapitalbeschaffung benötigt, gibt es hierfür verschiedene Optionen. Ihr könnt jemanden ins Team holen oder einen Partner mit Anteilen am Unternehmen beteiligen, der sich gezielt um diese Themen kümmert. Zudem gibt es Dienstleister, wie Steuerberater, und auch die IHK oder die Hochschule bieten Beratungsgespräche an, die meistens kostenfrei erfolgen.

Es gibt verschiedene Modelle, die man sicherlich in den unterschiedlichen Situationen besprechen kann

– meint Björn abschließend.

 

Was meint ihr hierzu? Welche Erfahrungen habt ihr gesammelt? Diskutiert gerne mit uns in der Facebook-Gruppe!

 

Ein großes Dankeschön an die Veranstalter für diesen tollen Workshop – wir freuen uns schon auf den nächsten – und an Björn für seine Ideen und Tipps!

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