Am 10. November 2017 begeisterte zum 11. Mal das Event conVenture – nordic Start-Up convention der VentureWerft im Audimax auf dem Campus in Flensburg ungefähr 200 Interessierte – und wir waren natürlich wieder mit von der Partie. Ein abwechslungsreiches Programm wurde uns geboten, das dieses Mal bereits mit inspirierenden Seminaren am Nachmittag begann und, wie auch beim letzten Mal, mit spannenden Gründer-Stories am Abend endete.

Nach einer Begrüßung durch Michael Otten, Geschäftsführer der WiREG, und einer kurzen Vorstellung des FabLab Ideenreich durch dessen Initiator Prof. Dr.-Ing. Torsten Steffen begann Prof. Dr. Dirk Müller, Hochschule Flensburg, mit dem ersten Seminar. Er sorgte für einen interessanten Input zum Thema “Innovationsmanagement in KMU”.

Zunächst vermittelte er uns ein grundlegendes Verständnis von Innovation. So bewirken Innovationen zum Beispiel eine Kostenreduktion, ermöglichen Unternehmen eine Differenzierung vom Wettbewerb und tragen zum Unternehmenswachstum bei.

Innovationen sind für 30 bis 40 % des Wachstums eines Unternehmens verantwortlich

– meinte Prof. Dr. Dirk Müller.

Wie Innovationen in KMU vorangebracht werden, wie dort Innovationsmanagement erfolgt und wie die Innovationsprozesse gestaltet sind, veranschaulichte er anhand von überwiegend regionalen Praxisbeispielen, wie der Flensburger Brauerei, r2p GmbH, der MAC IT-Solutions GmbH und lokalportal.

Kooperationen zwischen dem Mittelstand und Startups – auch ein sehr spannender Aspekt in diesem Seminar. Auf der einen Seite: „Ist das Geschäftsmodell überhaupt stabil?” und auf der anderen Seite: „Aufbruch und frischer Wind, hier ist eine andere Gedankenwelt vorzufinden“… dies sind einige beispielhafte Gedanken von „etablierten“ Mittelständlern, wenn es um derartige Kooperationen geht. Während 94% der „etablierten“ Unternehmen durch eine Kooperation mit Startups die Möglichkeit sehen, ihre eigene Innovationsfähigkeit zu steigern, stellt für 89% der Startups die Erschließung neuer Märkte den Anreiz dar. Allerdings:

30 bis 50% der Kooperationen scheitern

– so Prof. Dr. Dirk Müller.

Warum ist dies so? Kooperationen zwischen dem Mittelstand und Startups scheitern zum Beispiel bei gegensätzlichen Unternehmenskulturen, die nicht in Einklang gebracht werden können, und wenn es einem der Kooperationspartner an Engagement mangelt. Abschließend gab uns Prof. Dr. Dirk Müller Empfehlungen für eine gute Kooperation:

  • Zielfit & Zielkongruenz prüfen und herstellen
  • Klare Prozesse definieren (und einhalten)
  • Vertragliche Vereinbarungen schließen
  • Hohe Qualität in der Kommunikation etablieren

Anschließend kündigte Holger Jensen, IHK Flensburg, die nächste Speakerin an: Meike Neitz! Sie machte unter anderem die Startups für Die Höhle der Löwen fit und berät mit ihrem eigenen Unternehmen, Die Zukunftsmanufaktur, Startups und kleine sowie mittelständische Unternehmen rund um die Themen Kommunikation und Strategie.

Wie treffe ich bei einem Investoren-Pitch den richtigen Ton? Mit ihrem geballten Knowhow und Praxisbeispielen gab sie uns hierzu wertvolle Tipps.

Werden überhaupt Investoren benötigt? Hierüber sollte man sich erst einmal im Klaren sein. Bootstrappen, Förderprogramme, Pitch-Wettbewerbe und Inkubator-/Acceleratorprogramme könnten nämlich auch infrage kommen. Entscheidet man sich für den Schritt, einen Investor ins Boot zu holen, bedeutet dies sehr viel Arbeit. Wie in einem guten Bewerbungsgespräch empfiehlt Meike Neitz, sich im Vorfeld über den Investor Informationen einzuholen:

Macht vorher eure Hausaufgaben und schaut, was der Investor macht und ob er zu euch passt.

Der Aufbau eines aussagekräftigen Pitch sollte laut Meike Neitz wie folgt sein:

  1. Problem: Dieses muss nicht zwangsläufig neue Elemente beinhalten, es kommt primär darauf an, wie es präsentiert bzw. „verkauft“ wird.
  2. Lösung für das Problem
  3. Geschäftsmodell: Was ist das Alleinstellungsmerkmal?
  4. Markt & Wettbewerb
  5. Marketing: Wie gestaltet sich der Marketingplan?
  6. Vertrieb: Ein Fehler, den Meike Neitz oft erlebt, ist, dass Startups sich zu spät um den Vertrieb kümmern. Daher: Rechtzeitig den passenden Vertrieb planen und aufbauen.
  7. Team: Die Rollen im Team sollten immer gut verteilt sein.
  8. Status Quo & Ausblick
  9. Kapitalbedarf: Wie hoch ist der Kapitalbedarf und wofür wird er benötigt?
  10. Zusammenfassung und „call to action“

Dabei sollten wir die 10-20-30 Regel von Guy Kawasaki beachten: Nicht mehr als 10 Folien, nicht länger als 20 Minuten präsentieren und Schriftgröße 30. Zudem gilt: ansprechendes Foliendesign, freies Vortragen mit Begeisterung und Storytelling.

Im Anschluss an den Pitch kann es zu einer Nachfrage-Runde kommen. Daher sollten wir uns vorab über mögliche Fragen Gedanken machen und hierzu passende Antworten finden.

Nach einer Pause ging es mit dem Abendprogramm weiter. Thomas und Daniel vom Dock1 der VentureWerft kündigten uns zwei tolle Unternehmen mit unterschiedlichen Erfahrungen an.

Die erste Gründer-Story erzählte uns Karl Henrik Skurnia – der Burger König von Flensburg. Er schilderte uns seinen Weg in die Selbstständigkeit als Franchisenehmer der drei Burger King Filialen in Flensburg und gab uns einen Einblick, was es bedeutet, Chef von vielen Mitarbeitern zu sein.

Schon früh kam Karl Henrik Skurnia mit Burger King in Berührung – dort machte er seine Ausbildung als Systemgastronom. Anschließend ging er ins Ausland, um mehr Erfahrungen zu gewinnen. Doch er wollte mehr – für ihn stand schon immer fest, dass er sich eines Tages selbstständig machen würde, was er auch letztlich durch die Übernahme der drei Burger King Filialen in Flensburg verwirklichte. So ist er mit Anfang 30 Jungunternehmer mit einer Verantwortung für 120 Mitarbeiter. Mitarbeiterführung ist für ihn das A und O – eine zwar herausfordernde Aufgabe, die er aber mit Leidenschaft erfüllt:

 Heute Mitarbeiter zu führen ist ganz schwierig geworden – man muss das jeden Tag aufs Neue lernen. Wenn man sich selbstständig macht, muss man das mögen.

Apropos Mitarbeiter… die conVenture brachte Karl Henrik Skurnia und Daniel Jonas nach etlichen Jahren zusammen. Beide arbeiteten damals bei Burger King und so war klar: Der anwesende Daniel musste mit auf die Bühne! Auch er ist heute Unternehmer in Flensburg. Während seiner Studienzeit gründete er zusammen mit einem Freund das Unternehmen DF Automotive und beschäftigt mittlerweile 90 Mitarbeiter. So erfuhren wir die ein oder andere lustige Geschichte aus ihrer gemeinsamen Zeit bei Burger King und Daniel erzählte uns auch, was er aus den gewonnenen Erfahrungen bei Burger King in sein eigenes Unternehmen mitnahm: Menschenkenntnis, Team-Spirit und bei der Mitarbeiterführung eine gute Mischung aus Strenge und “Kumpel sein”.

Deutlich wurde eins: Beide hatten immer ihr Ziel vor Augen und dieses haben sie mit Leidenschaft, Ehrgeiz, Selbstvertrauen und Durchhaltevermögen erreicht.

Die zweite und letzte Startup-Story des Abends kam von Annemarie Heyl von Kale&Me, die über das Thema „Mit Säften die Welt gesünder machen“ sprach. Mit ihrem Vortrag führte sie uns in die Welt eines Startups im Lebensmittelbereich ein, gab uns fundierte Informationen über ihre nicht hitzebehandelten Obst- und Gemüsesäfte und nahm uns mit auf eine Reise von den Anfängen bis zum heutigen Tag.

Alles begann im Jahr 2015, als sie zu dritt ihr Startup gründeten. Für Annemarie war es nicht die einfachste Zeit zu gründen – sie schrieb schließlich ihre Masterarbeit – aber wagte es trotzdem und ist der Meinung:

Ein richtiger Zeitpunkt ist definitiv während des Studiums. Man hat einfach mehr Freiheiten, um kreativ zu denken. Gerade da muss man eigentlich darüber nachdenken, was könnte ich machen, um schon einen Grundstein zu legen. Das Studium ist definitiv ein sehr kreativer und sehr schöner Nährboden für so etwas. Noch dazu hat man den ganzen Tag Austausch mit Leuten, die einen unterstützen können und das noch kostenlos.

Februar: Gründung, Mai: Launch des Onlineshops – das ging zügig voran. Laut Annemarie lag dies daran, dass alle Gründer zur damaligen Zeit an unterschiedlichen Orten lebten und daher wöchentliche Deadlines eingehalten werden mussten.

Ihrer Meinung nach ist es manchmal auch richtig, einfach Entscheidungen zu treffen – ohne große und lange Diskussionen. So haben sie zum Beispiel auch nur eine Zahlenbasis und keinen typischen Businessplan erstellt, sondern sind direkt in den Markt gegangen. Ein Businessplan hätte zu viel Zeit gekostet, denn zu diesem Zeitpunkt traten bereits viele Mitbewerber in den Saftmarkt ein.

Erzählungen über ihre Teilnahme an Die Höhle der Löwen durften natürlich auch nicht fehlen. Zwar gingen sie ohne Deal aus der Show, der Ansturm danach war trotzdem riesengroß. Das Fazit von Annemarie:

Es war eine sehr spannende Erfahrung, würde ich auch jederzeit wieder machen. Denn wo baut man sein Branding auf bzw. wo kann ich richtiges Storytelling betreiben? Wo können wir unser Produkt, das wirklich erklärungsbedürftig ist, kommunizieren? Über Journalisten und PR, aber eben auch Fernsehen ist hierfür ein tolles Tool.

Zum Schluss gab es noch einige Erkenntnisse von Annemarie, wie:

  • Die (richtige) Idee sollte so kommen und nicht gesucht werden.
  • Man sollte sich von den Meinungen anderer nicht zu sehr beeinflussen lassen – hier gilt es, zu selektieren.

Das Start-Up Pier im Foyer des Audimax gab uns allen auch dieses Mal wieder den Raum, Kontakte zu Startups zu knüpfen, uns über ihre jeweiligen Angebote zu informieren und uns mit ihnen über ihre Erfahrungen auszutauschen. So waren zum Beispiel Lohneo (Gewinner des Startup SummerCamps 2017) und Sourceboat anzutreffen. Ein Hingucker war der ausgestellte Oldtimer von Blackbox Classics – ein hellblauer VW-Käfer – und Kale&Me verschaffte uns den Genuss gesunder Säfte. Neox Studios stellten ihr entwickeltes Spiel Twickles vor.

Und das Netzwerken bei einer lockeren Atmosphäre und leckerem Essen im Anschluss an die Startup-Stories durfte natürlich auch nicht fehlen!

Ein großes Dankeschön geht an die VentureWerft für dieses tolle Event voller Themenvielfalt, Expertise und Einblicke in die Welt des Gründens!

 

 

 

 

Angesehen von 463