Ein Gastbeitrag von Tobias Möckel

 

Die Begrifflichkeiten des „Maker Movement“ oder der „Maker Faires“ sind dem ein oder anderen vielleicht schon einmal beiläufig begegnet. Ich möchte euch in den folgenden Zeilen einen Eindruck davon vermitteln, was genau es damit auf sich hat, für wen diese Art von Veranstaltung interessant sein könnte und welche Erfahrungen ich selbst dort sammeln konnte.

In den vergangenen Jahren haben verschiedenste Personen- und Interessengruppen den Begriff des „Makers“ für sich entdeckt und fortan bereitwillig genutzt. Vornehmlich handelte es sich dabei um Elektronikbastler oder „Hardwarehacker“ sowie Personen, die man wenige Jahre zuvor vermutlich einfach als hobbymäßige Kunsthandwerker bezeichnet hätte. Wer sich heute einen Eindruck davon verschafft, wer sich alles mit diesem Begriff identifiziert, wird erstaunt sein, welche Bandbreite von Interessen und Tätigkeiten dabei zutage tritt. Präzise Definitionen haben also ihre Mühe, mit der Entwicklung dieser Szene Schritt zu halten. Im Wesentlichen geht es aber einfach darum, eigene Ideen selbst oder in einer Community umzusetzen.

Genau hier besteht auch eine wesentliche Parallele zur Startup-Kultur, wobei der Unterschied einer monetären Motivation als Trennlinie zum gewöhnlichen Maker zusehends verwischt. Immer mehr Ideen bzw. Prototypen aus der Maker-Szene münden in vollwertigen Startups oder Maker versuchen sich zu professionalisieren, indem sie ihre hergestellten Einzelstücke oder Kleinserien zum Verkauf anbieten.

Die sich in Deutschland langsam durchsetzenden Maker Faires gehören zu den zentralen Veranstaltungen der Szene, sind gleichermaßen ein Anziehungspunkt für Privatleute, Schulen, Forschungsgruppen, Fablabs, Firmen und diverse Vereine. So gab es am vergangenen Wochenende in Kiel von Schmuckherstellern über Elektronikanbieter bis hin zu Drohnen-Rennen und Bastelworkshops alles Mögliche zu sehen. Ich selbst habe als Privatperson diverse Prototypen präsentiert, um mit Leuten darüber ins Gespräch zu kommen, andere zu inspirieren und Feedback einzuholen.

Sehr schnell zeigte sich dabei, wie gemischt das Publikum vor Ort war. Von Familien mit Kindern über technisch versierte Spezialisten aus verschiedensten Bereichen, bis hin zu Firmenvertretern habe ich einer bunten Mischung verschiedenster Personen meine Projekte erläutert. Genau darin besteht meiner Meinung nach auch die zentrale Stärke dieser Veranstaltungsreihe. Es ist sowohl möglich, mit potenziellen Kunden in Kontakt zu kommen, als auch qualifiziertes Feedback zu erhalten oder sich zu vernetzen. Bezüglich einer Tauglichkeit als reine Verkaufsveranstaltung würde ich mutmaßen, dass es zumindest hier in Kiel noch eines Wachstums der Besucherzahlen bedarf, bevor wirklich lohnende Erträge in Aussicht wären.

Für mich als mittelmäßig freiwilliger Exil-Flensburger sind spannende Kontakte entstanden, die mir den Einstieg in die lokale Szene enorm erleichtern und teils sogar weit darüber hinausgehen.

Wem kann ich also empfehlen, sich dort im nächsten Jahr anzumelden?

Im Grunde jedem, der eine spannende Idee umsetzen möchte / gerade umsetzt / bereits umgesetzt hat und auf der Suche nach Feedback ist, bzw. sich in der Präsentation an unterschiedlichsten Personengruppen üben möchte. Für Aussteller ohne Verkauf ist ein Stand zwischen 6m² und 15m² kostenlos, möchte man jedoch Waren veräußern, werden abhängig von der Grundfläche zwischen 150€ und 375€ zzgl. MwSt. Standgebühr fällig (Stand 2017).

Wem kann ich empfehlen, dort im nächsten Jahr als Besucher vorbeizuschauen?

Definitiv jedem, der Zeit hat. Trotz des happigen Eintrittspreises zwischen 5€ und 10€ bekommt man eine Vielzahl neuer Impulse aus Bereichen, die keine mir bekannte Veranstaltung / Konferenz in dieser Konstellation bietet. Insbesondere für technikinteressierte Kinder und Jugendliche dürfte die Maker Faire in Kiel ein spannendes Ausflugsziel sein.

Noch ein Hinweis zum Abschluss: Der Begriff „Maker Faire“ ist als Wortmarke rechtlich geschützt und wird im D-A-CH Gebiet durch die Maker Media GmbH als Tochter der Heise Gruppe GmbH & Co. KG genutzt, um diese Veranstaltungen nach amerikanischem Vorbild in Lizenz durchzuführen.

 


Über den Autor

Als studierter Medieninformatiker und Absolvent des Masterprogramms „Intermedia & Marketing“ interessiert sich Tobias Möckel für alles, was hinsichtlich Innovation, Ästhetik und Technik am Puls der Zeit passiert. Seine Spezialität ist die Erprobung neuer Kommunikationsansätze, insbesondere im Film- und Installationsbereich. Ebenso ist er für nahezu jede Spielart der digitalen Content-Produktion zu begeistern.

Mehr Informationen zu Tobias findet ihr unter: www.moeckel.me

 

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