– Ein Gastbeitrag von Patric Stöbe: Teil IX

 

Als wir Themen für die Gastbeiträge erörtert haben, fiel mir diese Fragestellung direkt ins Auge – „ah”, dachte ich, “ein einfaches Thema“. Jetzt sitze ich schon an der dritten Variante und muss feststellen, dass das Thema doch nicht so leicht in die Tastatur zu klimpern ist, wie ich dachte.

Den oder die richtigen Gründer gibt es natürlich per se nicht. Einige persönliche Merkmale erleichtern jedoch erheblich die selbstständige Tätigkeit. Ich möchte das ganze anhand eines besonderen Tieres erklären, welches ihr alle mit Sicherheit kennt – der „Rampensau“.

Die Rampensau an sich ist sehr kontaktfreudig und schnell im Gespräch, sie ist oft ungenau und selten präzise. Sie hält sich nicht lange mit Hindernissen, Scham oder Angstthemen auf, sondern erobert in ihrer natürlichen Umgebung schnell die Bühne und überzeugt umherstehendes Publikum von sich oder ihrem Produkt. Ihr Lebenslauf ist oftmals von vielen Wendungen gekennzeichnet, diese haben sie aber nur stärker und erfahrener gemacht. Die Option „Scheitern“ gibt es im Leben der Rampensau nicht.

Spaß beiseite – selbstverständlich gibt es auch introvertierte, sehr erfolgreiche Gründer. Ich bin jedoch der Überzeugung, dass die persönliche positive Grundeinstellung oftmals viel wichtiger ist, als das jeweilig angebotene Produkt (eigentlich immer). Stellt euch mal einen ängstlichen Menschen vor, der vieles negativ beurteilt und neue Wege scheut – würdet ihr dem etwas im wahrsten Sinne des Wortes abkaufen?

Die perfekte Gründerkombination besteht im Grunde aus zwei Menschen, bei denen der eine das technische Know-how besitzt und sehr effizient in der stetigen Arbeit ist und einem „Vertriebler“, der das Produkt an den Markt „schreien“ kann.

Ich habe mal einen Gründer betreut, der wirklich unglaublich gute, handgefertigte Gips- und Holzfiguren hergestellt hat. Dazu saß er häufig nachts in seinem Keller, um in absoluter Stille seine Kreativität auszuleben. Sein Problem war nur, dass er seine Produkte nicht an den Mann oder die Frau bringen konnte. Er konnte auch die Preise nicht kalkulieren, weil er zwar künstlerisch top war, aber diese Fähigkeit kaufmännisch nicht in bare Münze umsetzen konnte.

Zusammenfassend möchte ich euch daher mit auf den Weg geben, dass schulische Werdegänge für Gründer nicht entscheidend sind und eine persönliche Überzeugungsfähigkeit erheblich wichtiger ist als ein einmaliges Produkt, welches eine Delle ins Universum haut.

In diesem Sinne wünsche ich allen einen guten Rutsch ins neue Jahr.


Über den Autor

Patric Stöbe ist öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für die Bewertung von Anlagegütern und Geschäftsausstattungen. Seit 2003 hat Patric Stöbe mit seinem Unternehmen, der ABS Beratungsgesellschaft mbH, mehr als 450 Gründer auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit begleitet.

Mehr Informationen zu Patric findet ihr unter: http://www.die-berater-sind.net

 

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