Wieder einmal lud WEstartupSH zum WINspire StartUp Talk ein. Hierzu öffnete dieses Mal MINI Flensburg (Albert Bauer GmbH/BAUERGRUPPE) seine Türen. So lauschten wir mit über 60 weiteren Teilnehmenden inmitten von schicken MINI Modellen zuerst den Worten der Gastgeberin Anja Bauer, Geschäftsführerin der BAUERGRUPPE. Sie schilderte kurze Auszüge aus ihrem beruflichen Werdegang sowie ihrer Führungsposition im familieneigenen Autohaus und erzählte, wie es ist, als Frau in einer männerdominierten Branche tätig zu sein. Dann folgte der Vortrag von Villekula-Gründerin Tjorven Reisener über ihre Erfahrungen mit Wettbewerben, Preisen und Crowdfunding-Kampagnen für ein Social Startup. Den Abend eröffnete Dr. Kirsten Mikkelsen von WEstartupSH.


Anja Bauer ist gebürtige Flensburgerin und Enkeltochter des Firmengründers Albert Bauer. Für ihr Betriebswirtschaftslehre- sowie Mathematik-Studium zog es sie in eine Großstadt. Schon beim Mathematik-Studium begegnete sie einem ungleichen Verhältnis männlicher zu weiblicher Studierenden: 5 % Frauen standen 95 % Männern gegenüber. Nach ihrem Abschluss kehrte sie in ihre Heimat zurück und war für den Marketing-Bereich im Familienunternehmen zuständig. Seit 2004 ist sie Geschäftsführerin der BAUERGRUPPE, die stetig gewachsen ist. Heute sind sie an 5 Standorten in der Region mit 9 Marken und rund 280 Mitarbeitern vorzufinden.

Mit ihrer Tätigkeit befindet sich Anja Bauer in einer absoluten Männerdomäne:

„Wenn ich auf einer Tagung von Reifenhändlern bin, dann kann es schon mal sein, dass da 650 Männer sitzen und ich.”

Doch wie ist es wirklich, als Frau in einer Führungsposition in einer Arbeitswelt, in der fast ausschließlich Männer tätig sind?

„Es hat Vor- und auch Nachteile, eine Frau in einer reinen Männerdomäne zu sein. Erst einmal wird man immer begrüßt. Da sitzen 600 Leute und es heißt dann: ‚Frau Bauer, meine Herren.‘ Alle Männer versuchen nett zu sein, mir etwas anzureichen. Das sind schon Gentlemen, wenn eine Frau dabei ist, das ist schon anders.”

Offen erzählte sie uns auch, dass sie grundsätzlich gegen die Frauenquote ist. So sollten die für eine Arbeitsstelle besten Personen eingesetzt werden – unabhängig vom Geschlecht. Zudem besitzen ihrer Meinung nach Frauen und Männer ohnehin prinzipiell unterschiedliche Stärken.

Apropos Stärken… Anja Bauer empfindet es als sehr wichtig, einen Beruf zu ergreifen, der glücklich macht, Spaß bereitet und in dem man eben seine Stärken ausleben kann. Bei der Einstellung neuer MitarbeiterInnen legt sie daher den Fokus auf die Person selbst und deren Stärken.

„Die Menschen können nur gut sein, motivieren sich nur selbst und haben nur Lust an der Arbeit, wenn sie nach ihren Stärken und nach ihren Interessen eingesetzt werden.”

Abschließend gibt sie uns mit auf den Weg, authentisch zu bleiben, die Stärken einzusetzen und stets auf die innere Stimme zu hören.


Was in einem kleinen Schrebergarten begann, ist dieses Jahr 5 Jahre alt geworden, verfügt mittlerweile über einen halben Hektar Land und hat 60 Ehrenamtliche sowie 2 Festangestellte… die Rede ist hier von Villekula e.V. und dessen Gründerin Tjorven Reisener.

„Die Gesundheit ist das höchste Gut, das wir Menschen haben.”

– und damit befasst sich der gemeinnützige Verein Villekula e.V.

Tjorven Reisener und ihr Team haben es sich zur Aufgabe gemacht, langfristig zu einer gesünderen Gesellschaft beizutragen. Als ein Social Startup stehen bei Villekula Profit und Gewinn erst einmal an zweiter Stelle, im Vordergrund steht die Wirkung – der Impact:

„Bei uns geht es darum, zu wirken, Wirkung zu kreieren, etwas zu bewirken, auf etwas einzuwirken.”

Dieser soziale Impact umfasst bei Villekula die Gesundheitsbildung mit dem Fokus auf den Entstehungsprozess „Vom Samenkorn bis zur fertigen Mahlzeit.“ Wie funktioniert dieser Kreislauf? Wie viel Arbeit steckt zum Beispiel hinter einer reifen Tomate? Und wie lassen sich hieraus leckere Mahlzeiten zubereiten? So soll bei den Kindern in Form von gärtnerischen Projekten das Wissen vermittelt werden, woher unsere Nahrung eigentlich stammt und wie sich die Prozesskette Schritt für Schritt gestaltet.

„Villekula setzt sich dafür ein, dass Kinder und junge Menschen wieder Experten für ihren eigenen Körper werden.”

Die Angebote von Villekula sind vor allem für Klein, aber auch für Groß vielfältig – sei es für Schulklassen, offene Gruppen, Kindergeburtstage, Firmenevents, die Ehrenamtlichen selbst oder in Form von Ferienbetreuung und Jahreszeitenfeste.

Wie können nun Wettbewerbe, Preise und Crowdfunding-Kampagnen einem Social Startup helfen?

„Der Austausch, das von- und miteinander Lernen und das gegenseitige Unterstützen. All das sind  Kernpunkte, die man rausziehen kann aus den Wettbewerben, Preisen und Crowdfunding-Kampagnen, die wir gemacht haben.”

– so die Quintessenz von Tjorven Reisener.

Los ging alles mit der Civil Academy in Berlin, bei der sich Tjorven Reisener mit ihrer sozialen Idee während ihres Studiums bewarb, angenommen wurde und an 3 Wochenenden zusammen mit 24 weiteren ausgewählten Stipendiatinnen und Stipendiaten Knowhow zur Realisierung ihrer Idee bekam.

„Heute ist das GründerInnen Netzwerk in Flensburg unheimlich gut und super organisiert. Vor 5 Jahren kam das zumindest bei mir noch nicht ganz so an und ich fühlte mich so ein bisschen allein auf weiter Flur.”

So kam die Civil Academy zu einem richtigen Zeitpunkt, bei der sie durch die Vielzahl an Menschen Inspiration, Mut und Rat – zum Beispiel in Sachen Gründung, Namensfindung und Akquise von Geldgebern – erhielt.

„Geld ist zwar nicht unser Hauptfokus, aber ohne Moos nix los, das stimmt auch absolut im sozialen Bereich, vielleicht sogar noch mehr dort, als woanders. Selbst die beste Idee, sei sie noch so gut, braucht irgendwo ein Fundament, einen Boden, auf dem sie wachsen kann – einen Nährboden.”

Nach diesen 3 Wochenenden gründete Tjorven Reisener Villekula e.V., startete ihr erstes Projekt an der Uni und meldete ihr Villekula-Projekt für den Hans-Adolf-Rossen-Preis an, den Villekula auch in Form von Geld bekam.

Auf Facebook wurde sie auf einen Crowdfunding-Wettbewerb aufmerksam, und es stand für sie fest, daran teilzunehmen – hatte Villekula doch eine Idee und benötigte für die Umsetzung finanzielle Mittel. Das Villekula-Team begab sich zunächst auf die Suche nach einer passenden Plattform und sprach die Crowd mit ihrem Anliegen möglichst exakt, greifbar und aussagekräftig an. Bei Crowdfunding können die Menschen selbst entscheiden, ob und wie viel Geld sie geben möchten. Die Kampagnen, so auch diese, sind auf einen bestimmten Zeitraum festgelegt und bei manchen Plattformen verhält es sich auch nach dem Motto: Innerhalb des Zeitraumes muss die gewünschte Geldsumme erzielt werden, andernfalls geht man komplett leer aus. Villekula hatte das Ziel erreicht!

Doch es geht nicht „nur“ ums Geld – auch der soziale Marketing-Wert ist nicht zu verkennen, denn bei einer guten Umsetzung kann eine große Reichweite erzielt werden: Die Kampagne erfolgt meist zumindest bundesweit, Informationen über das Startup sind für alle auf der platzierten Website zugänglich, und es kann versucht werden, die lokalen Medien für sich zu gewinnen etc.

„Dann tritt es eine Lawine los, die vielleicht sogar mehr Wert ist als der reine Geldwert.”

Man bekommt Fans, die von der Idee begeistert sind – unabhängig davon, ob letztlich die Geldsumme zusammenkommt. Wird das monetäre Ziel erreicht, sind die Fans sogar Teil der Erfolgsgeschichte des Social Startups.

Durch diese Crowdfunding-Kampagne konnte Villekula den Gewächshaus-Folientunnel finanzieren, der bei manch nordischem Schietwetter einen Raum sowohl für die Pflanzen als auch für die Kinder bietet.

Da Tjorven Reisener gerne „Ja“ sagt, kamen immer weitere Wettbewerbe, Preise und Crowdfunding-Kampagnen hinzu, wie der bundesweite Wettbewerb startsocial, bei dem die Stipendiatinnen und Stipendiaten 1 Jahr lang eine Organisationsberatung erhielten. Von den 100 teilnehmenden Projekten zählt Villekula zu den 25, die sich in diesem Rahmen am meisten weiterentwickelten, und daher durch die Schirmherrin Angela Merkel geehrt wurden. Bei dem Besuch im Kanzleramt entstand ein Foto mit Angela Merkel, wodurch sich bei Villekula die Reichweite auf Facebook von 800 auf 10.000 erhöhte.

Auch folgte zum Beispiel ein weiterer Crowdfunding-Wettbewerb, durch den Villekula mit dem erhaltenen Geld 1 ganzes Jahr die Teilnahme von 5 Schulklassen für den Strebergarten finanzieren konnte. Dies war auch wieder mit einer großen Reichweite und dem Aufbau eines tollen Netzwerks verbunden. Inzwischen haben sie schon insgesamt 3 Crowdfunding-Kampagnen durchgeführt und eins ist klar: Es bedeutet jede Menge harte Arbeit, solch eine Kampagne durchzuführen.

Aktuell nimmt Villekula an der Global Goals Challenge teil, die bis ins nächste Jahr reicht. Die Vereinten Nationen haben 17 Ziele definiert, wie ein Beitrag zu einer besseren Welt geleistet werden kann. Hier konnten sich Projekte bewerben, die sich einem oder mehreren Zielen widmen – von insgesamt 30 Projekt-Bewerbungen haben es letztlich 8 geschafft, darunter auch Villekula. Hier stehen auch wieder mit den Teilnehmenden und den Experten Austausch, Vernetzung, Ideenentwicklung und Beschäftigung mit Herausforderungen auf dem Programm.

Durch Tjorven Reiseners Erfahrungen zeigt sich nochmals: Bei sämtlichen Wettbewerben, Preisen und Crowdfunding-Kampagnen geht es zum Teil um finanzielle Aspekte, aber auch das große Miteinander, die gegenseitige Unterstützung, der intensive Austausch, das voneinander Lernen, das Profitieren von der Expertise anderer und der Aufbau sowie die Pflege eines guten Netzwerks sind elementare Bestandteile.


Nach diesen wertvollen Impulsen fand reichlich Austausch bei leckeren Häppchen vom Food-Startup OWAO (ehemals Spinach & Spoons) statt.

Es war wieder ein wunderbarer Abend mit viel Inspiration und tollem Ambiente. Ein <3-liches Dankeschön an Anja Bauer, Tjorven Reisener, WEstartupSH und alle Mitwirkenden. Auf den nächsten WINspire StartUp Talk sind wir jetzt schon gespannt!


Was ist der WINspire StartUp Talk?

Die Bezeichnung WINspire steht für Women Inspire. Hierbei handelt es sich um eine Talkreihe, die sowohl jeweils einer Gründerin als auch einer Unternehmerin die Möglichkeit bietet, sich und ihr Business vorzustellen, ihren beruflichen Werdegang und/oder ihre persönliche Geschichte zu erzählen, themenspezifische Schwerpunkte zu setzen – ganz nach Belieben der Speakerin. So sollen Synergieeffekte genutzt werden. Diese Netzwerkabende richten sich insbesondere an Frauen, die am Thema „Gründung“ interessiert sind, aber natürlich sind auch männliche Gäste herzlich willkommen.

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