Bereits zum achten Mal hat der Ideenwettbewerb nun in Schleswig Holstein stattgefunden. Gesucht werden bei dem Wettbewerb möglichst gute und innovative Gründungsideen. Jeder, ob einzeln oder im Team, hat die Möglichkeit seine Idee eines Produktes, einer Dienstleistung oder eines Verfahrens einzureichen, welches dann von der Jury in mehreren Runden nach verschiedenen Kriterien bewertet wird. Die Sieger erhalten Preisgelder von 1000€ – 5000€ und teilweise weitere Unterstützung, die das Netzwerk mit sich bringt. Bewertungskriterien sind unter anderem Praxisnähe, die wirtschaftliche Verwertbarkeit, Glaubhaftigkeit und Kompetenz sowie die Marktchancen. 

Organisiert wird der Ideenwettbewerb SH von der Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH (WTSH) in Kooperation mit der Muthesius Kunsthochschule in Kiel. Die Preisverleihung fand dieses Jahr im Musiculum in Kiel statt und wurde durch Dr. Bernd Bösche, dem Geschäftsführer der WTSH GmbH eröffnet. Er betonte, wie wichtig es sei Ideen zu befördern und den Weg zu bereiten, sodass Innovationen hervorgebracht werden können und neue Impulse gesetzt werden können. 

Forschung ist die Überführung von Geld in Wissen.

Innovation ist die Überfürhung von Wissen in Geld.

Dr. Bernd Bösche

Die Schirmherrschaft des Events hält Dr. Bernd Buchholz,
Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr, Technologie und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein, inne. Es gibt eine Vielzahl an kreativen Ideen und Köpfen in Schleswig-Holstein und es ist wichtig diese voranzutreiben und ihnen eine Plattform zur Entwicklung zu geben. Laut Herrn Dr. Buchholz ist die deutsche Kultur des Scheiterns sehr merkwürdig. Gerade deshalb sei es wichtig durch Events wie den Ideenwettbewerb Signale zu setzten, die Mut machen, neue Ideen in die Realität umzusetzen.

Als Bespiel für eine Unternehmensgründung mit all ihren Höhen und Tiefen packten die Brüder Michael und Stephan Landschütz ihre Erfahrungen aus. Die beiden hatten 2006 den Ideenwettbewerb SH mit ihrer Idee eines Sporthockers gewonnen. Michael und Stephan haben beide an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel studiert. Der Sporthocker entstand in einer Diplomarbeit und verband die beiden Leidenschaften Design und Sport. Also wurde “SALZIG Sporthocker” und somit der erste Sporthocker der Welt geboren.

Mit live Einlagen und witzigen Anekdoten erzählten die beiden von den verschiedenen Hock Camps, die sie organisiert hatten (Hock Hart, King of Hock, Hock’n’Roll, Hock Europe Tour), von ihrer ersten Werbung mit Stabilo und dem aufgestellten Weltrekord. Es gab eine Werbung mit Mercedes Benz, verschiedenste Designpreise, große Shows und unterschiedlichste Workshops. Es wurden Mitarbeiter eingestellt und wieder entlassen. Mittlerweile haben Michael und Stephan zusätzlich eine Street Art Galerie in Berlin. Ein eigenes Unternehmen zu leiten sei nicht einfach, so die beiden. An dem Spruch, man arbeite “selbst” und “ständig” sei definitiv was dran. Was aber bleibt ist die Begeisterung und ein bunter Haufen an Erfahrungen.

Begeisterung gab es auch bei der Preisverleihung. Claudia Haßfurther von der Muthesius Kunsthochschule definierte in vier Punkten eine gute Idee:

Eine Gute Idee:

1. kann Probleme erkennen und Lösungen schaffen.

2. ist einfach, wirkt simpel und darf genial sein.

3. ist neu und anders (teilweise auch unscheinbar und nicht notwendigerweise revolutionär).

4. passt gut zu der Person, die diese entwickelt hat.

Und von solchen Ideen gab es einige bei dem Ideenwettbewerb. An dem Abend wurden insgesamt acht Projekte gekürt.

Sieger des Wettbewerbs wurde, und da war sich die Jury einig, Alwin Reinhardt, für die Erfindung eines Radarsensors, der es ermöglicht, Kleinstpartikel in Echtzeit zu messen. Für die Erfindung erhielt Alwin bereits eine IEEE Auszeichnung. Unter den vielfältigen Einsatzgebieten eines solchen Sensors zählen Produktionsoptimierungen sowie das sehr aktuelle Theme Emissionskontrolle von beispielsweise Feinstaub. 

Der zweite Preis gab es für  ein Präklinisches Temperatur- und Traumamanagement-System für Notfallpatienten. 
Stefan Kleen, Johann Henkel, Lars Horn und Till Kemlein haben sich des Problems angenommen, dass beim Krankentransport die Verletzten oftmals an Unterkühlung leiden und lediglich eine Decke dagegen bekommen. Gerade im Schockzustand ist eine aktive Erwärmung entscheidend und kann die Überlebenschancen steigern.

MIKADO – Möbel für den modernen Nomaden war die Idee, für die der dritte Preis des Abends verliehen wurde. Die Möbel aus Stäben von 
Benjamin Unterluggauer mit Klemmverbindungselementen ermöglichen eine flexible Raumgestaltung und einen schnellen und unkomplizierten Transport dieser Möbel.

Vor der Verleihung der Hauptpreise gab es noch fünf Sonderpreise, die jeweils mit 1000€ dotiert waren.

Den Anfang machte Janet Perozo, die den Sonderpreis CREATE*IT für das Projekt SupplyMum erhielt. Hierbei geht es um die Entwicklung eines speziellen Krankenhaushemdes für Müttern nach einem Kaiserschnitt, um das Stillen zu erleichtern.

An Vielfältigkeit und Kreativität mangelte es bei den Sonderpreisen absolut nicht. Dr. Biniam Samuel, Leonie Hock und Tobias Möckel stellten Aquacubes vor, eine Idee zur dezentralen Fischzucht in Kompaktmodulen nach dem Motto “Fresh Fish – Grown by yourself” und erhielten dafür den Sonderpreis GREEN. Unter anderem setzt Aquacubes damit an dem Problem der Überfischung und den Aquakulturen an.

Durch eine neue Art des Modular Rapid Tooling könnte in Zukunft die komplizierte Herstellung von Formteilen für faserverstärkte Kunststoffe automatisiert werden. Karim Salama und Oliver Willuweit, die Erfinder des Prozesses, waren hier im Sinne ihres Sonderpreises IP und gemäß des Mottos von Einstein: “The secrets of creativity are how to hide your sources” mit Insiderinformationen zurückhaltend.

Angehende psychologische Psychotherapeuten  haben demnächst eventuell einen Grund sich zu freuen. Sollte das Team von “Siggi”, Joanna Marciniak und Malte Hecht, ihre Lernapp weiter vorantreiben, liefert diese eine Lernplattform, die sowohl bei der Prüfungsvorbereitung als auch für weiterführende Fortbildungen im Psychotherapybereich wertvoll werden kann. Dafür gab es den Sonderpreis IT. 

Ein weiterer Sonderpreis (LIFE) wurde Thomas Brandt für die Idee eines Tauchantriebssystems für Menschen mit Behinderungen verliehen. Rov design hat es sich zum Ziel gesetzt, Menschen durch das Tauchen unter Wasser mit spezieller Technik eine Bewegungsfreiheit zu geben, die diese an Land sonst nicht erfahren können. Neben Antrieben und Unterwasserrobotik soll auch ein internationales Tauchevent mit Menschen mit Behinderung und bekannten Tauchern auf den Bahamas organisiert werden.

Die Ideen des Abends waren vielfältig, sehr unterschiedlich, faszinierend und inspirierend. Es war, wie die Moderatorin Frau Heise zu Beginn der Veranstaltung ankündigte: ” Besser als bei der Höhle der Löwen”. 

Der Spirit stimmt!

Schleswig-Holsteinischer Jawoll-Geist!

Da ist Modernität, Innovation und Dynamik drin


Fazite des Abends 

“Innovation besteht zu 10% aus Inspiration und 90% aus Transpiration” und an diesem Abend wurde ein Stück mehr Transpiration geschaffen. Nicht nur durch die tollen Präsentationen, sondern auch durch die guten Möglichkeiten zum Networking vor und nach der Preisverleihung. 

Gratulation an alle Preisträger und ein herzliches Dankeschön an die WTSH, die Muthesius Kunsthochschule, das Musiculum und alle Organisatoren. Wir drücken allen die Daumen und sind gespannt was die Zukunft an  Neugründungen und weiteren Ideen in Schleswig-Holstein mit sich bringt. 


Gesamtübersicht über die verliehen Preise des Abends:

Hauptpreise

1. Preis: 5000€

2. Preis: 3000€

3. Preis:  1500€

  • Stifter: Nordzentren e.V.
  • Preisträger: Benjamin Unterluggauer
  • Idee: MIKADO – Steckmöbelsystem für moderne Nomaden, Klemmverbindungselemente und Stäbe ermöglichen leichtes Auf- und Abbauen und eine flexible Raumgestaltung.

Sonderpreise (jeweils 1000€):

CREATE*IT:

  • Stifter: Muthesius Transferpark
  • Preisträger: Janet Perozo
  • Idee: Supplymom ist Krankenhaushemd das speziell für zum Stillen von im Krankenhaus, z.B. nach einem Kaiserschnitt, für entwickelt wurde.

GREEN:

  • Stifter: r2p GmbH
  • Preisträger: Dr. Biniam Samuel, Leonie Hock und Tobias Möckel
  • Idee: Aquacubes – Kompaktmodule für eine dezentrale Fischzucht.

IP:

  • Stifter: PVA SH GmbH
  • Preisträger: Karim Salama und Oliver Willuweit
  • Idee: Modular Rapid Tooling zur Serienfertigung komplexer faserverstärkter Kunststoffformen 

IT: 

  • Stifter: assono GmbH
  • Preisträger: Joanna Marciniak und Malte Hecht
  • Idee: Lernapp “Siggi” – Lernplattform für psychologischen Psychotherapeuten für die Unterstützung zur Prüfungsvorbereitung, und darüber hinaus.

LIFE:

  • Stifter: Planton GmbH, BioAnalytik
  • Preisträger: Thomas Brandt
  • Idee: Rov Design: Spezielles Tauchantriebssystem für Menschen mit Behinderung, welches es diesen möglich macht, frei und unabhängig zu tauchen. 
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