Wer sich für die Start-Up Community der deutsch-dänisch Grenzregion interessiert sollte diese Veranstaltung auf keinen Fall verpasst haben: conVenture – nordic Start-Up convention.

Am 22.11.2018 trafen sich im Rahmen der ConVenture  Start-Ups,
GründungsunterstützerInnen, gestandene UnternehmerInnen, InvestorInnen und Gründungsinteressierte im Audimax der Europa-Universität Flensburg. Das Networking-Event wird gemeinsam von den deutsch – dänischen Docks der VentureWærft organisiert, welche dieses Mal auch von dem Projekt Grenzland INNOVATIV Schleswig-Holstein unterstützt wurde,  gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz.

Erstmals wurde ein neues Format ausprobiert: Der VenturePitch. Angelehnt an die klassischen TV-Shows wie “Shark Tank / Die Höhle der Löwen / Løvens hule” stellen zwei Start-Ups ihre Idee vor und erhielten sofortiges Feedback. 

Nach einer Kaffee-Kuchen-Netzwerk-Pause ging es in die drei Hauptvorträge des Nachmittags. 

Wichtigkeit von Entrepreneurship in unserer Grenzregion 

Jørgen Mads Clausen, Vorstandsvorsitzender von Danfoss, erzählte die Geschichte seines Vaters, der mit Garagenbasteleien von Kühlschrankspezialteilen anfing und am Ende die Weltfirma Danfoss aufbaute. 

In den frühen 30ern wurden spezielle Kühlschrankventile nur in den USA hergestellt, waren schwer zu beschaffen und sehr teuer. Mads Clausen, Gründer von Danfoss, fing an, diese Ventile selbst nachts neben seiner eigentlichen Arbeit zu fertigen und zu verkaufen. Es dauerte nichte lange, bis er seinen Job kündigte und sich mit dem Verkauf der Ventile, die er zuhause auf einem primitiv ausgestatteten Dachboden selbst baute, selbstständig machte. Bis 1940 hatte er 41 neue Produkte auf den Markt gebracht. Die Bestellungen wurden immer mehr, sodass aus der kleinen Dachbodenwerkstatt schließlich ein großes Unternehmen mit mehreren Standorten wurde. “Electronics are the future”, hatte Mads Clausen immer gesagt. Durch die Übernahme eines Kleinstbetriebes in Nortorf der auf Power Module spezialisiert war entwickelte sich Danfoss zu #1 für Mosfet Halbleiter, ist führend mit customized Power Modulen für die Auto-, Wind- und Solarindustrie und beginnt jetzt Kooperation mit General Electric in Utica in den USA, wo eine Art zweites Silicon Valley geplant wird. Eine absolute Erfolgsgeschichte.

Aber damit nicht genug.  Jørgen Mads Clausen gehen die Ideen nicht aus. Er stellte zusätzlich seine SaltPower vor, ein Verfahren zur Stromerzeugung durch die Verwendung von hochkonzentriertem Salzwasser (größer 10%) und der Osmose als Kraft.

Die Idee Elektrizität durch Osmose zu gewinnen gibt es schon seit 1954, hatte sich allerdings als nicht rentabel erwiesen. Jørgen Mads Clausen entdeckte, dass der Clue war, die Salzkonzentration bzw. den Unterschied des Salzgehaltes im Wasser hoch genug zu dosieren, um so die Kraft der Osmose richtig ausnutzten zu können. Jørgen Mads Clausen stellte einige Kraftwerkmodelle vor, die man sich dafür vorstellen könnte. Offshore Anlagen wären möglich, wo als “Süßwasser” das normale Meerwasser genutzt werden können, wenn der Salzgehalt im konzentrieren Salzwasser entsprechend höher ist. In den Salz-Depots der Erde sei mehr Energie enthalten als in allen Ölfeldern zusammen.  Es wurde ein mobiler 20KW Prototyp mit High Pressure Pumps von Danfoss und einer Membran von Toyobo gebaut. Mit dem Prototypen werden nun an verschiedenen Orten Tests durchgeführt. Laut Clausen hat SaltPower das Potenzial zur neuen regenerativen Energieform zu werden.

Am Schluss betonte Jørgen Mads Clausen nochmals die Wichtigkeit Netzwerke zwischen Deutschland und Dänemark über die Grenze hinweg aufzubauen.

LET’s SEA

In der zweiten Session des Events  stellten Madeleine von Hohenthal und Benjamin Wenke Bracenet vor. Mit dem Motto “Save the Seas – Wear a Net” ist Bracenet eine absolute Herzensache der beiden. Die Idee entwickelte sich bei einem Afrikaaufenthalt, wo Madeleine und Benjamin schockiert waren über die Kilometer langen Fischernetze voller toter Tiere, die an die Küsten angespült wurden. Sie verbrachten daraufhin ihre Zeit damit die Netzte zu sammeln und brachten einige mit nach Deutschland, wo sie in der Küche mit dem Knüpfen von Armbänder aus diesen sogenannten Geisternetze begannen.  Ziel war es einen Unterschied zu machen und tatsächlich etwas zu bewirken. Mit Healthy Seas, Ghost Fishing und NOFIR fanden sie transparente Partner, die die Idee unterstützten. Ein Teil des Erlös durch den Verkauf der Armbänder und anderer Produkte aus den Fischernetzen wird an Organisationen wie Healthy Seas oder Sea Shepards gespendet. Das Konzept der beiden wurde super angenommen. Ohne Werbung fanden sich schnell viele Klienten und auch bekannte Persönlichkeiten, die durch das Tragen der Armbänder ein Zeichen setzten. Zu Kunden zählen unter anderem die Telekom, Microsoft, 16 verschiedene Airlines, die Fußballmannschaft von Werder Bremen.

Bracenet kommt im Matthias Schweighöfer Film vor, Martin Rütter fragt eine Hundeleine aus den Netzen an und Iceland Air hat sich zum Ziel gesetzt Plastik frei zu werden und stattdessen mehr an Fischernetzen für z.B. die Magazintaschen zu verwenden. Eine große Aktion war eine Checkübergabe von 20.000€ an Sea Shepards auf der Fanmeile der Fußballweltmeisterschaft vor dem Brandenburger Tor. Die Präzens, die Madeleine und Benjamin mit Bracenet geschaffen haben ohne Investitionen in Werbung im Social Media Bereich zu tätigen, beweist die Relevanz des Start-Ups.

Start-Ups are ugly

Ken Madsen von DXTR Labs gab Einblicke in die Entwicklung seines Start-Ups. DXTR Labs ist ein Smarte Spielzeugbox, die die Entwicklung von Kindern fördern soll und den Eltern aufzeigen kann, wie intelligent ihr Kind ist und welche Fortschritte es macht. Bei der Entwicklung und der Markteinführung von DXTR Labs gab es neben den Höhen auch einige Tiefen und von diesen berichtete Ken Madsen auf der ConVenture. 

Start-Ups are supposed to be sexy […] but they can be really ugly. 

Ken Madsen

Er scheiterte auf mehreren Ebenen und das nicht nur einmal:

  • Scheitern bei den CBC Internationals 2015: Bei den CBC Internationals hatte DXTR Labs einen Kickstarter auf der Bühne gestartet, dessen Ziel nicht ansatzweise erreicht wurde. 
  • Scheitern beim Gründerteam: Fehler in den Gründungsdokumenten der Firma führten dazu, dass die Firma aufgelöst wurde. Es bedeutete fast das Ende von DXTR Labs. 
  • Scheitern des Finanzierungsplans: Fast ein halbes Jahr hatte DXTR Labs auf die Ausarbeitung eines Business Plans aufgewendet, der am Ende in der Mülltonne landete. 
  • Scheitern der ersten “Go to market” Strategie,  Scheitern der zweiten “Got to market” Strategie : Man entwickelte mit einem neuen Investor 130 neue Prototypen. Viele Einzelhändler standen in den Startlöchern. Am Ende funktionierten lediglich 7 der 130 Prototypen. 
  • Scheitern zahlloser Entwicklungsziele
  • Scheitern mit der Familie: “It will consume you completely”, so Ken über sein Start-Up. Seine Mutter starb, kurz nachdem seine Freundin ihn mit den beiden gemeinsamen Kindern verlassen hat.

Und dann kam das große ABER. Neben all den Tiefpunkten, all den Misserfolgen stehen auf der anderen Seite immer die positiven Aspekte, die “Lessons learned”. Und das betonte Ken: Es nimmt einen mit, es zieht einen runter, es gibt Momente, in denen man am liebsten aufgeben will. Aber auf der anderen Seite gibt es die Momente, die Ken “Golden Nuggets Moments” nennt. 

In every failure there is a seed to a bigger success. 

Ken Madsen

Folgendes gab Ken mit auf den Weg: Man sollte mit den Menschen um einen herum sprechen, Kontakte nutzten und vor allem auch Chancen nutzten, wenn sie auftauchen. Und ganz besonders entscheidet sei es, unerbittlich auf seine Ziele hinzuarbeiten, Arbeitszeit und Familienzeit konkret zu trennen und wertzuschätzen.

Mit dem Fazit: “Die Stärke von Start-Ups ist das Engagement” schloss Ken die ConVenture Vorträge.

Danach ging es aus dem Audimax zurück ins Foyer, wo verschiedene Start-Ups sich präsentierten. Bei kleinen Snacks und Getränken ging jetzt der wichtigste Teil der conVenture los: Das Networking.

Die conVenture hat einen hohen Stellenwert in der deutsch-dänischen Start-Ups Community und war auch diese Mal wieder toll organisiert mit interessanten Vorträgen. Vielen Dank dafür an die VentureWærft, allen weiteren Organisatoren und die Sprecher des Abends.

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