– ein Gastbeitrag von Patric Stöbe: Teil XIII

…das ist doch das gleiche, werden jetzt viele sagen. Wer sich für eine Selbstständigkeit entscheidet, ist doch automatisch auch Unternehmer.

Grundsätzlich stimmt das natürlich. Jeder, der Leistungen erbringt und jemand anderem dafür eine Rechnung stellt, ist irgendwie auch Unternehmer. Wir haben es hier aber wie so oft mit einem sprachlichen Phänomen zu tun.

Inhaltlich unterscheiden sich beide Begriffe nämlich erheblich voneinander. Ein Selbstständiger ist dadurch gekennzeichnet, dass er vorrangig ohne große Personalunterstützung die Leistungen für seine Kunden wirklich selbst erledigt. Der Unternehmer hingegen hat ein System entwickelt, in dem vorrangig sein Personal Leistungen für die Kunden erbringt, er selbst jedoch eher die Fäden im Hintergrund zieht und die Richtung vorgibt.

Warum ist das ganze jetzt einen Blog Eintrag wert? Einfach deshalb, weil der Weg vom Selbstständigen zum Unternehmer sich oftmals schleichend vollzieht und der Inhaber eines Unternehmens oftmals gar nicht wahrnimmt, dass er längst Unternehmer statt Selbstständiger ist (sein sollte). Das wiederum führt dann zu Unstimmigkeiten mit dem Personal und bringt nicht selten das ganze schön gewachsene Unternehmen in Schwierigkeiten.

Ein Grafikdesigner, der zunächst alleine anfängt und sich im Laufe von vielleicht fünf Jahren 6 oder 7 Mitarbeiter anlacht, weil die Aufträge einfach da sind und nicht enden wollen, weiss, wovon ich spreche. Auf einmal geht es nicht mehr um Kundenprojekte und Logoentwicklung, sondern um Mitarbeiterführung, Teambuilding und Reklamationsbekämpfung. Der Inhaber wird, ohne dass er es aktiv mitbekommt, aus dem sog. operativen Geschäft gedrückt und muss sich zunehmend nur noch um die organisatorischen und unangenehmen Dinge der Arbeit kümmern (Kunde meckert, Mitarbeiter meckern, Ehefrau [Mann] meckert), alle meckern).

Spätestens jetzt stellt der ehemals glückliche Selbstständige fest, dass sich etwas gravierendes verändert hat, und das diese Entwicklung nicht nur positiv war.

Genau darum geht es in diesem Beitrag. Ihr müsst selbst entscheiden, wie groß Ihr (euer Unternehmen) werden wollt. Meiner Meinung nach sind viele gute Selbstständige miserable Unternehmer, weil sie den Mitarbeitern nicht vertrauen und denken, dass das Produkt sowieso nur gut wird, wenn sie es selbst erledigen. Wer diese Grundeinstellung besitzt, sollte seine Glaubenssätze deutlich korrigieren oder sich fragen, ob ein Wachstum um jeden Preis die richtige Entscheidung ist (war).

Als Fazit hier der Tipp der Woche: Hinterfrage, ob Du ein guter Unternehmer sein kannst, der zwar die Richtung vorgibt, aber operativ kaum oder gar nicht mehr eingreifen kann. Wenn Dich Personalführung stresst und Du lieber direkt am Kunden arbeitest, dann bist Du vielleicht der bessere Selbstständige.


Über den Autor

Patric Stöbe ist öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für die Bewertung von Anlagegütern und Geschäftsausstattungen. Seit 2003 hat Patric Stöbe mit seinem Unternehmen, der ABS Beratungsgesellschaft mbH, mehr als 450 Gründer auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit begleitet.

Mehr Informationen zu Patric findet ihr unter: http://www.die-berater-sind.net

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