Es war wieder viel los – über 30 Interessierte trafen sich am 4. März im Dock1 der VentureWærft, um den Sessions zu „Artikel 13“ und „3D-Druck“ zu lauschen und Wissen auszutauschen.

1. Session: Artikel 13 – wie dieser unser Leben und die Demokratie beeinflussen kann

Flemming Petersen vom Chaostreff Flensburg e.V. griff dieses aktuelle Thema auf, welches seit geraumer Zeit die Gemüter erhitzt, heiß diskutiert wird und in der Öffentlichkeit auf großen Widerstand stößt. Er veranschaulichte, warum Artikel 13 derart in aller Munde ist, wie dieser unser Leben im digitalen Zeitalter gefährden und unser Demokratieverständnis beeinflussen kann.

Die Europäische Union plant eine Urheberrechtsreform, und die endgültige Abstimmung hierüber im Europaparlament ist für Ende März angesetzt. Sehr umstritten ist in diesem Zusammenhang unter anderem der Artikel 13:

Die geplante Urheberrechtsreform, die demnächst zur Abstimmung steht, hat einige positive, aber auch einige sehr kritische Punkte, unter anderem Artikel 13

– führte Flemming aus.

Gemäß des Entwurfes sieht Artikel 13 vor, dass künftig die Betreiber*innen der Plattformen, auf denen Nutzer*innen ihre Inhalte hochladen, für Urheberrechtsverletzungen durch ihre Nutzer*innen in Haftung genommen werden. Damit sollen nicht mehr die Nutzer*innen selbst für ihren urheberrechtlich relevanten Content bei Verstößen haften. Das bedeutet, dass die Betreiber*innen der Plattformen bereits vor einer Veröffentlichung die von Nutzer*innen hochgeladenen Inhalte auf mögliche Verletzungen des Urheberrechts prüfen müssen. Nach Flemming gilt dies nicht nur für Plattformen wie YouTube, Facebook und Instagram, sondern zum Beispiel auch für Webseiten – sowohl für „Große“ als auch für „Kleine“.

Ich glaube, dass viele von uns im Web aktiv sind und dort auch User Generated Content entsteht, sei es durch Webseiten, Blogs, Kommentare, usw. All diese Sachen sind betroffen, da sie potenziell urheberrechtlich geschütztes Material enthalten, zum Beispiel Zitate, Zeitungsberichte, Bilder etc.

– erklärte er uns.

Was daraus hervorgeht, wären Uploadfilter. Durch diese kann bereits beim Hochladen automatisch geprüft werden, ob es sich um urheberrechtlich geschütztes Material handelt. Allerdings sind zum einen nur wenig Betreiber, wie die „Big Player“ Google und Co., sowohl finanziell als auch technisch dazu in der Lage, diese Filtertechnik einzusetzen. Dies könnte für kleine Anbieter und Startups schwierig und kostspielig in der Umsetzung werden. Letztlich werden sie diesen Dienst einkaufen – und zwar zum Beispiel bei Google.

Das bedeutet, die Kleinen werden immer kleiner, weil sie sich dementsprechend nicht am Markt halten können, und die Großen werden immer größer. Das ist das Resultat des Ganzen, und eigentlich hatte die EU genau das Gegenteil vorgehabt. Man wollte die Großen zur Kasse bitten.

Zum anderen könnte die Verwendung von Uploadfiltern eine Zensur zur Folge haben.

Initiativen, NGOs und viele mehr stellen sich gegen die geplante Reform. So wurde in diesem Zusammenhang zum Beispiel die Petition #SaveYourInternet gestartet, bei der mittlerweile über 5 Millionen Menschen unterschrieben haben. Auch besteht die Möglichkeit, über Pledge2019.eu mit den Abgeordneten des Europaparlaments in Kontakt zu treten, um ihnen hierüber persönliche Meinungen mitzuteilen.

2. Session: Einführung in den 3D-Druck und die Möglichkeiten im FabLab IDEENREICH

Torsten Steffen, Professor am Fachbereich Maschinenbau, Verfahrenstechnik und Maritime Technologien sowie Leiter des FabLab IDEENREICH, vermittelte uns in seiner Session informative Kenntnisse über den 3D-Druck und gewährte uns anschließend hierzu einen Einblick im FabLab IDEENREICH – und das direkt vor Ort!

Zu Beginn seiner Session stellte uns Torsten erst einmal das FabLab IDEENREICH vor. Dies ist eine Einrichtung der Hochschule Flensburg und existiert seit Juni 2017. Dort stehen allen Interessierten – sei es Studierende, Schüler*innen, Startups, etc. – unter anderem 3D-Drucker, 3D-Scanner, Lasercutter, Lötstation und PC-Arbeitsplätze zur Verfügung.

So lädt das IDEENREICH im Gebäude 13 zum Ausprobieren, Tüfteln, Gestalten und Reparieren ein. Genutzt werden können die Angebote mittwochs und donnerstags von 17:00 bis 21:00 Uhr

Ihr könnt das alles ausprobieren, die Materialien verwenden und auch mit nach Hause nehmen

– so Torsten.

Wer jetzt neugierig geworden ist, was genau ein FabLab ist und wie sich die Anfangszeit des IDEENREICH gestaltete, kann dies in unserem StartUp-Talk mit Torsten erfahren.

Danach ging Torsten zum 3D-Druck über. Hier zeigte er die preislichen Unterschiede von 3D-Druckern auf und erklärte die verschiedenen Filamente, also die Rohstoffe beim 3D-Drucken.

Es gibt vielfältige Filament-Arten, die verschiedene Eigenschaften aufweisen. Ein Filament ist Polylactid (PLA). Dies ist ein Kunststoff, der auf Maisstärke basiert, umweltfreundlich sein soll, sehr einfach zu drucken ist und eine hohe Festigkeit aufweist. Große Nachteile sind allerdings, dass zum einen PLA spröde ist und zum anderen ab einer Betriebstemperatur von 40/45 Grad weich wird. Ein anderes Material, das überwiegend zum Einsatz kommt, ist Nylon (Polyamid). Dieser Werkstoff hat ebenfalls eine hohe Festigkeit, ist sehr zäh und nahezu unzerstörbar. Hiermit können beispielsweise Zahnräder generiert werden. Als weitere Filamente nannte Torsten ABS (findet man zum Beispiel in Legosteinen), Metall (wird unter anderem in der Luft- und Raumfahrt verwendet) und (endlos) Carbon-Faser (mit der zum Beispiel Nylon verstärkt werden kann).

Zahnrad generiert aus Nylon und Schnipsel von Carbon-Fasern – gedruckt im IDEENREICH

Es gibt preiswerte 3D-Drucker, mit denen im Bereich des Hobby-3D-Drucks schon einiges produziert werden kann. Für eine hochwertige und professionelle Reproduktion von Bauteilen empfiehlt Torsten, höherpreisige 3D-Drucker zu nutzen. Bei diesen besteht sogar die Möglichkeit, zwei oder mehr Filamente gleichzeitig zu verarbeiten. Hierdurch können zum Beispiel feste und weiche Kunststoffe zugleich in einem Bauteil realisiert oder verschiedene Farben verwendet werden. Im IDEENREICH sind 3D-Drucker des Herstellers Ultimaker zu finden. So wurden hier beispielsweise im Rahmen einer Studienarbeit Gelenke generiert, die mit zwei unterschiedlichen Materialien gedruckt wurden. Das Besondere an einem der Materialien ist dessen Wasserlöslichkeit.

Ein riesen Dank geht an die Organisator*innen und Vortragenden für die informativen Input-Vorträge und an alle Teilnehmenden für den fruchtbaren Austausch. Auf den nächsten CampMontag zusammen mit der DiWiSH-Fachgruppe KI in den Räumlichkeiten von Orion Versand sind wir jetzt schon gespannt – Motto des Abends: Künstliche Intelligenz. Alle weiteren Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung für den 1. April findet ihr unter: https://campmontag-flensburg.de/


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