Das Gründer-Trio Gunnar Quedens, Timur Ercan und Torben Jensen digitalisieren mit ihrer Entwicklung igetnow den Bestellprozess in der Gastronomie und möchten diese hiermit revolutionieren – Gäste brauchen für ihre Bestellungen vorher keine App herunterladen. 2017 gründeten sie die igetnow GmbH und haben im letzten Jahr Investoren für ihr Geschäftsmodell gewinnen können. Das alles finden wir spannend und wollten Näheres wissen. So haben wir uns mit Gunnar über ihr Konzept, die Zusammenarbeit mit den Investoren, den Stand der Digitalisierung in der Gastronomie und seinen Gründer-Spirit unterhalten.

Moin Gunnar, stell dich doch kurz vor – wer bist du und welchen Background hast du?

Hi Isabel, ich bin Gunnar, bin 29 Jahre alt und wohne in Flensburg, hier habe ich BWL studiert und sogar eine Zeit lang im Technologiezentrum gearbeitet (Grüße an Lichtflut.Medien). Während des Studiums habe ich nebenher Startups gegründet, unter anderem eine Rucksack- und eine Rasier-Marke. Seit drei Jahren arbeite ich nun bei igetnow, um den Bestellprozess in der Gastronomie zu digitalisieren.

Wer gehört alles zu deinem Team und wie seid ihr zusammengekommen?

Zum Team gehören inzwischen viele geniale Leute. Zum Gründungsteam gehören aber meine Mitgründer Torben Jensen und Timur Ercan. Torben und ich kennen uns schon aus Schulzeiten und Timur haben wir über eine Startup-Vernetzung in Kiel kennengelernt.

Das Gründerteam von igetnow: Timur Ercan, Gunnar Quedens und Torben Jensen (v.l.n.r.) 
© igetnow

Was ist eure Geschäftsidee, was ist hier der USP und wie funktioniert dieses Geschäftsmodell?

Mit igetnow ermöglichen wir Gästen, digital vor Ort zu bestellen. Ob im klassischen Restaurant mit der Bestellung zum Tisch, der Vorbestellung zur Mittagspause oder im Fast Food Store am Order-Terminal. Wir bilden mit igetnow eine Plattform, auf der Franchise-Geber und -Nehmer, Zahlungsanbieter, Kassensysteme und externe Apps und Programme ein gemeinsames Zuhause finden. Das Ergebnis wirkt für den Gast natürlich super einfach und ist für ihn als White Label im Design der Gastrokette sichtbar. Er merkt also meist nicht einmal, dass er gerade igetnow benutzt.

Neben der Plattform ist unser USP auch, dass der Gast keine App herunterladen braucht. So findet er an jedem Tisch ein Metallplättchen mit einem fünfstelligen Zahlen-Buchstaben-Code und einer Domain. Gibt er den Code auf der Domain ein, gelangt er automatisch zur richtigen Speisekarte im richtigen Restaurant am richtigen Tisch. Die Bedienung bringt anschließend die Bestellung zum Tisch. Wir verdienen dabei prozentual über die Bestellungen.

Wen sprecht ihr mit igetnow an?

Früher gehörten zu unserer Zielgruppe meist Bowlingbahn-Betreiber und einzelne Restaurant-Betreiber. Heute sprechen wir mit igetnow fast ausschließlich Systemgastronomen an.

Wie ist denn die Idee hierzu entstanden?

Es gab damals nur Bestell-Apps, mit welchen man zum Tisch bestellen konnte. Dass man sich aber keine App runterlädt, um eine Cola zu bestellen, war klar. Also war die Idee zu einer Bestell-Webapp und damit zu igetnow geboren.

Wo steht ihr zurzeit? Was sind eure nächsten wichtigen Meilensteine? Und wo soll es letztlich hingehen?

Zur Zeit wachsen wir sehr schnell und statten mehrere bekannte System-gastronomie-Marken mit Self-Ordering-Konzepten aus. Letztendlich wollen wir natürlich die europaweite Systemgastronomie ausstatten. In Deutschland haben wir dazu glücklicherweise schon einen sehr guten Standort.

Wie wird igetnow von der Gastronomie und den Konsumenten angenommen? Gibt es starke Konkurrenten?

Da mit igetnow jederzeit bestellt werden kann und nicht nur, wenn ein Kellner anwesend ist, wird logischerweise mehr bestellt. Wir konnten bei richtiger Anwendung ca. 16% Umsatzsteigerung bei Version 1.0 nachweisen. Inzwischen sollte es deutlich mehr sein. Der einzige ernstzunehmende Konkurrent ist der Hersteller der McDonalds-Terminals, welcher allerdings auch Jahre Vorsprung in der Verbreitung besitzt. Vom reinen Produkt und vom UI her, würde ich es aber jederzeit auf einen Wettbewerb ankommen lassen.

Bei euch sind Investoren eingestiegen. Um wen handelt es sich und wie habt ihr zueinander gefunden?

Es handelt sich hierbei um die Capacura GmbH und die MBG Schleswig-Holstein. Capacura haben wir auf einer Startup-Veranstaltung kennengelernt und die MBG kannte Timur schon durch eine vorangehende Gründung.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit euren Investoren? Nimmt dies Einfluss auf eure Arbeitsweise?

Die Zusammenarbeit könnte nicht besser sein. Uns wird einerseits enorm mit Rat und Tat weitergeholfen, andererseits aber der Rücken freigehalten und nicht ins Tagesgeschäft hineingeredet. Außerdem kommen wir über unsere Investoren an viele neue Kontakte, die uns massiv weiterhelfen.

Digitalisierung und Gastronomie – wie schätzt du hier die Marktsituation ein?

Die Marktsituation ist wirklich bemerkenswert. Wir stecken in der Digitalisierung der Gastronomie noch in den Kinderschuhen. Diese Branche wurde jahrelang von der Digitalisierung nicht mit dem kleinen Finger angerührt. Kleine Margen, genügend günstiges Personal und Gastronomen mit wenig Zeit haben dazu geführt, dass Innovationen sich nicht wirklich durchsetzen konnten. Inzwischen hat sich das Blatt um 180 Grad gewendet. Wer heute noch bei der Digitalisierung schläft, den wird es wohl nicht mehr lange geben. Als Beispiel: McDonalds hat gerade 300 Millionen Dollar in eine Software gesteckt, welche die Angebote je nach Wetter, Verkehrslage und vorherigen Bestellungen dynamisch platziert.

igetnow ist ja deine dritte Gründung, vorher hattest du mit Co-Gründern das Rasierer-Startup „King of Gents“ und die Rucksack-Marke “PapaCarlo” gegründet und verkauft. Was reizt dich an der Startup-Welt?

Es reizt mich daran, dass man nicht an feste Zeiten gebunden ist und für sich selber arbeitet.

Gibt es heute erfolgreiche „Big Player“, die dich inspirieren?

Ja, McDonalds ist ein großes Vorbild, auch wenn wir einige Schwachstellen sehen.

Im Startup-Leben gibt es Höhen und Tiefen. Wie gehst du mit Tiefphasen und Widerständen um? Was kann dich dann in diesen Situationen wieder motivieren?

Einfach abwarten und weitermachen, es kommen auch wieder bessere Zeiten.

Last but not least: Typisch Flensburg – was verbindest du damit?

Ganz klar: Strand, Grillen und Bier.

Gunnar, vielen Dank für dieses aufschlussreiche Interview und dass du dir die Zeit für uns genommen hast!

Ihr möchtet mehr über igetnow erfahren? Dann werft gerne einen Blick auf unser Unternehmensverzeichnis A-Z!


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