30 Mal CampMontag: Zum Jubiläums-CampMontag trafen sich die Teilnehmer diesmal bei Orion in Flensburg. Auch die Fachgruppe Künstliche Intelligenz von der DiWiSH gehörte mit zu den Organisatoren. Zentrales Thema des 30. CampMontags war dementsprechend Künstliche Intelligenz (KI)  und Machine Learning.

Begrüßung der Teilnehmer durch Orion

Der Präsentationsraum bei Orion war gut gefüllt. Vier Sessions sollten an diesem Abend stattfinden, wobei spontan eine fünfte zusätzlich in die Pizzawartepause am Ende eingefügt wurde. Jan-Hendrik von MAC IT-Solutions stellte die Sessions vor bevor Orion selbst alle Anwesenden  mit den Worten begrüßte:

“Willkommen bei uns im Wohnzimmer.”

Susanne Gahr

Auch für Orion ist KI mittlerweile im Alltagsgeschäft etabliert.  ECommerce Service, Interne Webanwendungen und Schnittstellenmanagement sind alles Bereiche bei Orion in denen KIs genutzt werden. Customer Recommendations und Cross Upselling ist KI gesteuert ebenso wie CRO und AB Testing. Auch in der Bilderkennung wird Machine Learning bei Orion angewandt. Die KI soll Bilder selektieren und nutzergerecht  klassifizieren.

KI bei Orion – entsprechender Kugelschreiber im Einsatz

Doch allein dabei soll es nicht bleiben. In Zukunft soll der Einsatz von KI gestützen Systemen erweitert werden: Fraud Detection & Prevention, ein KI gestützes CRM Sytem zum Genereiren von Customer Lifecyles, Product Management und ein Front End Predictive User Interface für individuelle Anforderungen sollen entwickelt werden.

Künstliche Intelligenz ist eine Zukunftstechnologie, die zunehmend Anwendung findet und in verrschiedensten Bereichen eingesetzt wird. Das ist einer der Gründe für die Gründung der Fachgruppe „Künstliche Intelligenz“ der DiWiSH, worum es in der 1. Session geht.

Session 1: DiWiSH Fachgruppe Künstliche Intelligenz 

Christian Wiele von Atlantic Tech & Candy GmbH & Co. KG ist Fachgruppenleiter der DiWiSH Fachgruppe: Künstliche Intelligenz. Zu Beginn der Session stellte er kurz den Gründungsverlauf der Fachgruppe vor, welche im Dezember 2018 ins Leben gerufen wurde, und ging auf die Ziele ein: lokale KI-Akteure zu vernetzten und den Aufbau von Expertise voranzutreiben.

Christian bezog sich auf seinen den Gastbeitrag “Gute Seemanschaft für die Welt der KI“, den es bei uns im Blog zu lesen gibt, und stelle die Frage, warum es so wenig offene Stelle im Machine Learning Bereich gibt und was Hindernisse für Unternehmen sind, sich mit dem Thema KI auseinanderzusetzen.

Offene Stellen im Bereich Machine Learning – Session von Christian W.

Zusammen mit den Teilnehmern wurde diskutiert, was Gründe dafür sein könnten, warum in Schleswig-Holstein bisher wenige Unternehmen KI und Maschine Learning einsetzten und wie man dies ändern könnte.

Session 2: DF-Automotive: Computer Vision mit Phyton und TensorFlow

Ein Beispiel für ein lokales Unternehmen, das sich mit KI und Machine Learning beschäftigt, präsentiert Oliver Reipschlag in Session 2. DF-Automotive  ist ein Händler für Tuning Teile. Der Einsatz von Machine Learning ist auch hier noch neu. Erst seit einigen Monaten werden die Anwendungen aktiv genutzt. Das meiste Wissen dazu eignete sich Oliver selbst an. Vieles findet man auf Google, sagte er. Er stellte in drei verschiedene Use Cases Anwendungsbeispiele vor, die bei DF Automotive genutzt werden.

1. Binäre Klassifizierung

Beim Rendering treten mit unter Fehlerfälle auf. Durch binäre Klassifizierung lassen sich Projekte automatisch auf korrektes Rendering überprüfen. Dabei mussten 300 Fehlerfälle eingespeist werden, um das Modell zu trainieren.

2. Kategorische Klassifikation

Hier geht es um die automatische Einordnung von Felgen in Kategorien. Das die Einordnung nicht immer eindeutig ist, und dass es auch hier auch Fehler auftreten zeigt Oliver anhand einer Teddybärfelge, die für die KI nicht richtig ins Systems passt.

Die KI hat Probleme mit der Teddybärfelge – Session von Oliver

3. Object Detection

Hier werden automatisch Detailansichten für den Shop generiert von Bildern, die Kunden zuschicken.

Als Beispiel für Orion könnte diese Object Detection für die automatische Abdeckung von Geschlechtsteilen auf bestimmten Vertriebekanälen eingesetzt werden, warf Oliver am Ende seiner Session als April Scherz ein.

Session 3: Sex Tags und KI – ein Markt der künstlichen Liebe

Weiter mit einem scherzhaften Thema passend zum ersten April macht Christian Schmidt von Schmidt et Schmidt Fachanwälte aus Lübeck. 

Und zwar stellte er Harmony vor, Tochter der Aphrodite und des Ares, und der “silikongewordene Traum von Männern”. Harmony ist eine Sex-Puppe, die keine Wünsche offen lässt. Auch andere Sex Spielzeugen werden durch KI optimiert. “Just like a real thing” wird ein Blowjob Apparat beworben bei dem angeblich 9000 Probanden mitgewirkt haben.  KI-gesteuert gehen sie auf individuelle Bedürfnisse ein und sind dabei durchaus sehr lernfähig. 

Sex Puppe Harmony – wer haftet? – Session von Christian S.

Lernfähig ist hier das Stichwort für den Anwalt. Wer haftet bei dem Problemfall “machine learning”? Wie sieht es mit der Produkthaftung aus, wenn das Produkt selbst autonom und selbstlernend ist? Haftet der 
Betreiber? Der Benutzer? Die Maschine?

“Deep learning Software ist eine Bananensoftware, sie reift beim Kunden.”

Christian Schmidt

Während der Session spielt Christian verschiedene Szenarien durch und schlägt vor Sexpuppen zu verleasen, um so der Software mehr Erfahrungen zu bieten. Daten sind Kronjuwelen, dadurch reift die Software. Fest steht für Christian, dass Gesetzesänderungen für den neuen Spezialfall von selbstlernenden Maschinen notwendig sind.

Session 4: 

“Eigentlich habe ich nur eine Frage.”

Dr. Irmhild Rogalla

So startete Irmhild  ihre Session. Sie ist Leiterin vom Institut für praktische Interdisziplinarität. Ein aktuelles Projekt des Instituts ist die Entwicklung von Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen im Rahmen der Norddeutschen Energiewende 4.0 (NEW4.0)

Weiterbildungen im Rahmen der norddeutschen Energiewende – Session von Irmhild

Das Problem ist, dass die erneuerbaren Energien volatil sind, erklärt Irmhild. Neue Regelungstechniken müssen her. Es müssen neue Arten zur Steuerung sowie neue Speichertechniken gefunden werden. Eine Bedarfsabfrage bei Unternehmen hat ergeben, dass “alles was mit Digitalisierung zu tun hat” für Aus- und Weiterbildungen besonders nachgefragt ist. Beispielsweise fallen bei der Wartung von Sensoren von Windturbinen eine enorme Menge an Daten an – Stichwort Smart Maintenance- und auch bei der Zusammenschaltung von virtuellen Kraftwerken gibt es viele Daten zu verarbeiten.

In einer Weiterbildung sollen jetzt Grundlagen der KI vermittelt werden. Gesucht wird nach echten Beispielen aus der Praxis aus dem Bereich erneuerbare Energien. Irmhild nutze die Session, um zu fragen, wer ein Projekt als Praxisbeispiel für die Weiterbildung zur Verfügung stellen würde und bekam auch einige Anregungen aus der Runde der Teilnehmer.

Session 5: KI im Mittelstand – Innovationsmotor oder Datensteinbruch?

Spontanität ist alles. Michael Hartke hat sich als letztes Sprecher des Abends sehr gefreut, noch eine Session vor der Pizzarunde halten zu dürfen. Da er einige Jahre im Marketing bei Orion gearbeitet hatte, war es quasi ein Heimspiel für ihn. 

Jetzt stellte er sich als Geschäftsführer der Clarifydata GmbH vor. Für ihn gilt: Erfahrung + Historie = KI. Er berichtet  von den Chancen, die sich durch Digitalisierung von Daten und Einführung von KI Software für mittelständische Unternehmen ergeben können,  und von den  Herausforderungen, auf die er während seiner Arbeit stößt. 

“Wie kriegen wir Erfahrung digitalisiert?”

Michael Hartke

Es ist schwer an die Daten heranzukommen, die digitalisiert und zusammengetragen werden sollen. Die Strategien sind in den Köpfen der Kunden und nur schwierig zu erfassen. Wichtig ist, sich immer wieder in die jeweiligen Fachgebiete der Kunden einzuarbeiten, um die Datenaufbereitung individuell 

Dem Mittelstand geht es zur Zeit prima, sagt Michael. Die Auftragsbücher sind voll, da gibt es kein Ansporn zu Umstellung. Sein Unternehmen steht also vor der Herausforderung den Kunden zu erklären, warum eine Umstellung hin zur Digitalisierung, KI Anwendungen und Machine Learning dennoch wichtig ist. Dabei wird laufend Aufwand und Nutzen diskutiert.  

KI im Mittelstand: Innovationsmotor oder Steinbruch? – Session von Michael

Sein Fazit: KI kann ein Innovationsmotor sein, bedeutet aber immer noch viel Handarbeit. 


Viel Input, gut vorbereitete Sessions, ein zukunftsorientiertes Thema, aktive Teilnehmer, ein toller Gastgeber und Networking bei Pizza und Getränken- auf diesem CampMontag kam mal wieder alles zusammen. Vielen Dank an die Organisatoren, es hat wieder einmal sehr viel Spaß gemacht.

Das große Schlemmen & aktives Netzwerken

Alle Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung zum nächsten CampMontag gibt es auf folgender Seite:  https://campmontag-flensburg.de/.

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