Wer sich für historische Fahrzeuge verschiedener Marken und Arten interessiert ist bei der BlackBox Group genau richtig: Oldtimer für nahezu jeden Anlass mieten, Oldtimer restaurieren und reparieren lassen sowie Oldtimer-Ersatzteile für Fiat Modelle erwerben. Die Oldtimer-Liebhaber Jan Menge und Jan-Martin Lührs haben sich seit der Gründung von BlackBox Classics im Jahr 2013 somit auf eine lange, spannende und erfolgreiche Fahrt begeben, die noch lange nicht zu Ende ist. Wir wollten von ihnen erfahren, wie diese genau aussieht und was sie hierbei erlebten – von den Anfängen über die Werkstatt bis hin zur Unternehmensnachfolge. Inmitten von vielen tollen Oldtimern ließ Jan-Martin die Entwicklung für uns Revue passieren und gab auch einen Ausblick in die Zukunft.

Im Interview mit Jan-Martin Lührs, natürlich passend im VW Bulli T2a

Moin Jan-Martin, ich freue mich, bei euch in Wees zu sein. Ihr und euer Unternehmen seid in Flensburg und darüber hinaus ein fester Begriff. Für diejenigen, die euch vielleicht doch noch nicht kennen sollten… stell dich und die BlackBox Group kurz vor – wer bist du, wer ist dein Co-Founder und was bietet ihr alles an?

Moin Isabel, herzlich willkommen. Ich bin Jan-Martin Lührs, mein Gründungspartner ist Jan Menge, und wir haben vor ungefähr 5 Jahren zusammen unsere Firma gegründet. Zusammengefasst kann man sagen: Wir spielen mit alten Autos – das heißt, bei uns gibt es alles rund um Oldtimer. Mit BlackBox Classics Oldtimervermietung hat alles angefangen: zum Spaß Oldtimer selbst fahren und Oldtimer für Veranstaltungen, Filmdrehs, Fotoshootings sowie Firmenincentives. Inzwischen bieten wir auch Hotelpakete mit den einschlägigen Luxushotels im Flensburger Umland an.

Die beiden Gründer Jan-Martin Lührs und Jan Menge (v.l.n.r.)   © BlackBox Group

Da unsere und auch externe Oldtimer ab und zu repariert werden müssen, haben wir eine eigene Werkstatt gegründet: die BlackBox-Werkstatt. Diese erfreut sich großer Nachfrage. Das neueste Projekt, das wir letzten Winter gestartet haben, ist eine Firmenübernahme eines Oldtimer- Teilehandels. Hier bieten wir unter dem Namen Fiat Classic Ersatzteile für klassische Fiat Modelle an. Außerdem betreiben wir noch mit BlackBox Sailing einen Shop für Segel- und Kite-Zubehör, der unser Kerngeschäft ergänzt.

Was hat dich und Jan zu der Gründung eures Unternehmens motiviert?

Wir haben uns beim Segeln kennengelernt und eine ganze Weile bei der Segler-Vereinigung Flensburg e.V. Trainings gegeben. Hier hatte Jan den organisatorischen Teil und ich den kreativen bzw. fachlichen Part inne, und wir merkten sehr schnell, dass wir als Team gut harmonieren und uns sehr gut ergänzen. So kam uns der Gedanke, zusammen etwas zu gründen – die Frage war nur was. Um ein befreundetes Brautpaar zur Hochzeit zu chauffieren, lieh ich mir von Jan einen Oldtimer. Er ist seit seiner Jugend Oldtimer-affin. Mehrere Hochzeitsgäste fragten mich, ob sie bei mir Oldtimer mieten könnten. Das war der Anstoß, um nach entsprechenden Firmen zu recherchieren. Wir stellten fest, dass es in diesem Bereich im Norden praktisch keine professionellen Anbieter gab, und die Idee zu BlackBox Classics war geboren. Inzwischen gehören wir mit 10 Oldtimern und über 600 Touren im letzten Jahr zu den größten Anbietern in Deutschland.

Der 67er Ford Mustang gehört unter anderem zum Fuhrpark.

Im Juli 2017 war StartUp Flensburg zum ersten Mal für ein Interview hier. Seitdem hat sich bei euch enorm viel getan – ihr wart also voller Tatendrang und hattet Hunger nach mehr. Erzähl uns doch noch ein bisschen mehr über die Werkstatt…

Immer wieder kamen Leute zwecks einer Reparatur ihrer Oldtimer auf uns zu. Aufgrund dieser erhöhten Nachfrage gründeten wir die Oldtimer-Werkstatt und stellten Michael von Grote ein, einen kompetenten KFZ-Meister, der selbst mehrere Oldtimer besitzt und mit viel Herzblut dabei ist.

Michael von Grote im Einsatz

Und nun zu Fiat Classic… Wie ist es zu dieser Unternehmensnachfolge gekommen, und wie gestaltet sich hier die Vorgehensweise?

Ein Freund machte uns auf ein Inserat in der IHK-Zeitschrift aufmerksam, dass ein Kieler Unternehmen jemanden für eine Altersnachfolge sucht. Dieses Unternehmen handelte mit Oldtimer-Ersatzteilen für Fiat Modelle. Da wir mit Oldtimern können und bereits mit BlackBox Sailing Erfahrungen im Bereich Onlineshop gesammelt haben, passte dieser Geschäftszweig perfekt zu uns, und wir versprachen uns Synergieeffekte mit den anderen Geschäftsbereichen.

So führten wir viele Gespräche mit dem Verkäufer und erstellten nach Erhalt aller Informationen und des Kaufpreises einen umfangreichen Businessplan. Mit diesem sprachen wir bei verschiedenen Banken vor – das war gefühlt eine “never ending story”. Mit einer Bank sind wir in sehr konkrete Verhandlungen getreten, die uns dann nach einem halben Jahr Bearbeitungszeit jedoch eine Absage erteilte. Es war für uns unheimlich schwierig, nur mit einem Businessplan bei einer Bank einen Kredit zu bekommen. Eine Sicherheit, zum Beispiel in Form einer Immobilie, ist schon überaus hilfreich für eine Finanzierung. Bei einem Gespräch mit einer weiteren Bank kam uns die Erfahrung aus den vorhergehenden Gesprächen zugute, und wir waren dann letztlich erfolgreich. Allerdings mussten wir durch die genauen Vorgaben der Bank nochmals in mehreren Runden den Kaufpreis mit dem Verkäufer verhandeln. Zudem kamen viele weitere Instanzen ins Spiel. Zum Beispiel wird der Kredit, den uns die Bank gewährt, durch die Bürgschaftsbank in Kiel abgesichert. Die Bürgschaftsbank wird hierfür von uns bezahlt. Danach folgte die Verhandlung des Kaufvertrages mit dem Verkäufer. Bis die ganze Übernahme vonstattenging – vom ersten Gespräch bis zum ersten mit Ware beladenen LKW auf unserem Grundstück – hat es gut zwei Jahre gedauert.

Habt ihr die Strukturen der Firma übernommen?

Teils teils. Wir haben zum Beispiel das Lagerhaltungssystem bis hin zu den Regalplätzen beibehalten, wir haben quasi das Lager aus Kiel hier bei uns in Wees nachgebaut.

Rundgang durch das Ersatzteil-Lager

Komplett neu gestaltet haben wir den Onlineshop und das Warenwirtschaftssystem. Das haben wir in unsere bestehende Software umgewandelt, die wir auch für unseren Sailing-Shop und unser normales Warenwirtschaftssystem sowie Buchhaltungsprogramm nutzen. Das alte System lief noch auf MS-DOS. Um die Prozesse und Abläufe kennenzulernen und umstrukturieren zu können, war ein Mitarbeiter von uns mehrere Tage pro Woche in Kiel und hat sich dort eingearbeitet. Im Moment sind wir dabei, dem Shop den letzten Feinschliff zu geben und ein modernes Marketing aufzuziehen.

Wie sieht denn der Markt für Fiat-Oldtimer-Ersatzteile aus?

Wir sind auf die drei Modelle 500, 600 und 126 spezialisiert. Hier gibt es weltweit eine große Verbreitung und eine sehr aktive Fangemeinde. In diesem Bereich haben wir etwa vier Mitbewerber. Wir punkten mit einer guten Beratung, einem guten Service, Fachwissen und einem übersichtlichen Shop.

Hattet ihr eine externe professionelle Unterstützung?

Ja, Daniel Möckel vom Dock1 der VentureWærft hatte uns Dieter Kühl vom Mentoring-Programm Schleswig-Holstein als Mentor vermittelt. Er ist ein großartiger Geschäftsmann mit fundierter Erfahrung und hat uns bei der Führung der Verhandlungen sowie bei der Regelung der Übernahme insgesamt unheimlich geholfen. Doch auch der Verkäufer hatte einen Mentor an seiner Seite. Ab dem ersten Drittel waren beide dabei.

Was sollte deiner Erfahrung nach bei einer Unternehmensnachfolge besonders beachtet werden?

Ein Berater sagte einmal zu mir: „Wenn Sie eine Firma übernehmen, dann ist das so, als ob Sie ein Haus kaufen. Da gehen Sie vorher auch mal in den Keller.“ Und so ist es auch, man muss sich das Ganze wirklich haargenau anschauen, bevor man diesen Schritt tatsächlich wagt.

Außerdem ist es trotz Vorverträge immer ratsam, ein wachsames Auge auf die Firma zu haben. Eine Übernahme ist ein Prozess, und am Ende dieses Prozesses muss es trotz Absprachen nicht unbedingt der Fall sein, dass die Firma sich in derselben Situation wie am Anfang befindet. Es könnten damit sowohl während als auch nach der Übernahme unangenehme Überraschungen auftreten.

Auch würde ich Übernahme-Interessierten ans Herz legen, sich einen Mentor zu suchen. Es ist überaus hilfreich, eine neutrale Partei dabei zu haben. Sie kann verfahrene Situationen auflockern und lösen sowie die Verhandlungen wieder auf den Fokus lenken.

Und nun Butter bei die Fische: Nachfolgeübernahme versus Neugründung, du kennst nun beide Seiten. Wozu tendierst du eher?

Ich persönlich tendiere zu einer Neugründung, da man von Anfang an die Dinge so gestalten kann, wie man es möchte und für richtig hält. Hier baut man die Strukturen selbst auf und weiß, was wie funktionieren muss und warum das so ist. Dies verhält sich bei einer übernommenen Firma anders. Man muss sich in Strukturen einarbeiten, die sich jemand Fremdes hat einfallen lassen, und das ist teilweise gar nicht so einfach.

Auf der anderen Seite bringt eine Nachfolge natürlich auch gewisse Vorteile mit sich. Man übernimmt ein etabliertes Unternehmen, welches bereits eine Marktposition aufweist. So machen wir jetzt, drei Monate nach der Übernahme, mit Fiat Classic deutlich mehr Umsatz, als damals drei Monate nach der Gründung von BlackBox Classics.

Alles in allem war es die richtige Entscheidung. Zwar verlief nicht alles nach Plan, aber es war schließlich unsere erste Übernahme. Außerdem habe ich in meiner Zeit als Selbstständiger gelernt, dass nichts jemals einfach ist und die meisten Sachen nicht gleich beim ersten Versuch gelingen. Die nächste Firma gründen wir wohl allerdings wieder selbst.

Und wohin soll es noch gehen – eure Fahrt ist bestimmt noch nicht zu Ende?!

Nein, die Fahrt ist definitv noch nicht zu Ende. Wir haben noch ein interessantes Projekt in petto – es sei schon mal so viel verraten: Es kommt etwas ganz Großes auf uns zu.

Wow – da lassen wir uns gerne überraschen! Und zu guter Letzt: Stell dir vor, du könntest dir deinen absoluten Lieblings-Oldtimer schnappen und mit ihm eine tolle Tour machen. Welcher Oldtimer wäre das und wohin würde es gehen?

Das wäre eine italienische Marke mit einem springenden Pferd. Damit würde ich eine Pilgerfahrt nur über Landstraßen bis nach Maranello machen, wo diese Autos hergestellt werden. Dort besuche ich dann das hauseigene Museum, und abends gehe ich natürlich lecker Pasta essen.

Jan-Martin, vielen herzlichen Dank für dieses tolle Gespräch. Du hast uns einen sehr interessanten Einblick in den Wachtumsprozess der BlackBox Group gegeben. Es hat super viel Spaß gemacht, und wir sind jetzt schon gespannt, was wir noch alles von euch hören und sehen werden!


Wenn auch ihr Gesprächspartner*innen im StartUp-Talk werden möchtet, dann schreibt uns gerne: redaktion@startup-flensburg.de

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